Wanderung Afur, Playa Tamadite, Tanagana / Teneriffa

Diese Wanderung, auf welche wir dich, in diesem Beitrag mitnehmen, ist die geballte Ladung tenerifischer Norden. Da wir hin und wieder etwas unentschlossen sind, wählen wir als Startpunkt einen Ort, von welchem aus wir 2 Wanderungen hätten machen können. Eine kurze und eine lange.

Nachdem wir schon von der kurvenreichen Anfahrt durch das, sich im Osten der Insel befindliche Anagagebirge, völlig begeistert sind, entscheiden wir uns für die lange Runde. Also für unsere Verhältnisse lange Runde, denn so richtig toll trainiert haben wir vor der Reise nicht, jeder Höhenmeter ist also doppelt und deutlich spürbar. Ganze 800 warten insgesamt während dieser Wanderung auf uns. Doch ganz von vorn.

Die Wanderung startet dort, wo die Zivilisation, das heißt, die Asphaltstraße endet. Das kleine beschauliche Bergdörfchen Afur liegt auf 227 Metern. Wir werden es uns später etwas genauer anschauen, denn wir starten direkt in die breite Schlucht bergab. Kennst du diese Wanderungen, wo du bereits nach wenigen Metern bergab komplett nass geschwitzt bist? So eine ist diese hier. Über Naturstufen, Felsbrocken, schmale Wege geht es immer weiter hinunter. Unsere Füße müssen sich erst einmal an den steinigen und inhomogenen Weg gewöhnen, doch dann beginnt es, richtig Spaß zu machen. 

Zwischendurch schauen wir in die Gärten der Einheimischen und fragen uns, was sie bewogen hat, doch noch recht weit oben und schwer zugänglich in der Schlucht, Anpflanzungen zu beginnen.

Der Weg führt mal mehr und mal weniger breit am Fels entlang. Nach starken Regenfällen kann diese Schlucht unpassierbar sein. Wir kommen extrem gut durch, der Bach hat Niedrigwasser. Mit gelb-weißem Balken ist die Route gut markiert und schon von weitem sehen wir über einige Felsenriegel hinunter zum Meer. Nach gut einer Stunde, vorbei an rot gefärbtem Fels und Terassengärten, sind wir unten.

Der Strand nennt sich Tamadite, hoch umstanden von Gebirge. Nicht nur der Weg ist atemberaubend – der Blick hinaus auf´s Meer noch viel mehr. Dann wird es hart. Es geht straff den Hang hinauf. Mitten auf dem Weg wird ein Kind gewickelt, das Geschwisterchen gestillt. Mutig, wir finden es recht rauh und nicht unbedingt kindgerecht hier. Der blanke Schotter. Nun gut, der Aufstieg wird belohnt. Denn wenn auch auf schmalem Pfade entlang einer hammersteilen Küste, laufen wir die nächsten Minuten mit Blick auf die Nordküste. Hammer …. Drüben am Hang läuft Marcus…

Das könnte von mir aus ewig so weitergehen, doch alsbald erreichen wir das kleine Bergdörfchen El Chorro. Dieses Örtchen ist geprägt vom Weinanbau, die Herrschaften sind emsig zu Gange. Hier könnte ich ewig zuschauen, mich mit meinem Blick in den Hängen verlieren. Zwei Pferde stehen auf einer Minikoppel, ein paar Ziegen wohnen natürlich auch auf den Terassen und wohlgepflegt rankt der Wein an kleinen Rebstöcken. Grundlegend scheint das Leben und Werken hier, mit den winzigen Feldern in Terassen- und Hanglage eine wirklich harte Angelegenheit. Die Palme erinnert mich daran, dass ich Urlaub am Meer gebucht habe: 

Wir streifen dann die Ortschaft Taganana, welche sich mit bedeutend mehr Fläche am Hang bis hinunter zur Küste ausbreitet. Die weißen Häuslein geben von oben ein schönes Bild, unsere Beine beten, dass wir nicht auch noch in diesen Ort absteigen. Doch das lassen wir mal lieber. Das fieseste Stück der Strecke wartet nämlich gerade auf uns. Die Passhöhe Cumbrecilla will noch überstiegen werden. Höhe: schlappe 607 Meter. Wir wagen mal einen Blick nach oben. Wir freuen uns noch kurz über die hier so zahlreich wachsenden Kakteen mit den Kaktusfeigen. Dann schleppen wir uns etwas widerwillig die circa 400 Höhenmeter hinauf. Der Weg ist mal steinig, mal erdig, manchmal minimal glatt. Es wir merklich kühler und wir tauchen in buschigen Wald. Eine geschickt verlegte Wasserleitung läuft mit uns. Ich versuche verzweifelt herauszufinden, warum wir Menschen mal grad zum Spass solche Wege auf uns nehmen. Die Portion Glückshormone wird es wohl sein, auf die wir scharf sind. Denn oben angekommen sind wir zwar mächtig alle, aber …. glücklich.

Gucken rechts ….. sehen Taganana, wo wir herkommen. Gucken links …. blicken ins Afurtal, wo wir gleich wieder runtermüssen auf 227 Meter. Schöne Orientierung ist die Hochspannungsleitung, welche den gleichen Weg über den Pass nimmt. Runterwärts geht es dann recht zügig. Wir passieren noch 2 Gehöfte, lassen uns von den weggesperrten Hofhunden ankündigen und. würden am liebsten eine der unzähligen Kätzchen mitnehmen.

Die letzten Meter geht es auf der Fahrstraße – ein Segen. Glatt, auch mit mittlerweile subkoordinierten Beinen noch gut laufbar. Von hier aus sehen wir nochmals hinab ins Tal, zu den Gehöften, den Gärten – von außen betrachtet – dem puren Lebensidyll. 

In Afur fällt uns dann überhaupt erst mal die kleine Kirche und der schöne Dragonaum auf.wir lesen, ist die Einkehr bei Jose, dem einzigen Bistro ein Muss. Die im Netz angepriesenen Speisen wie zum Beispiel der hausgemachte Ziegenkäse, gab es nicht. Doch allein der Kaffee und etwas Cola weckt nach 11,6 grandiosen Kilometern und 5 Stunden unsere Lebensgeister. 

Eine unglaublich abwechslungsreiche Wanderung, die wir guten Gewissens empfehlen können.

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