Reisehighlight 2019 – Die Emperor Falls auf dem Berg Lake Trail in Kanada

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Auf eine gewisse Art und Weise ist für mich jede Reise, jeder kleine Ausflug, sogar jeder Spaziergang etwas ganz besonderes. Fast fällt es mir ein wenig schwer, mich dem Wort Reisehighlight hinzugeben. Ein Tag in 2019, ganz speziell eine Wanderung schiebt sich jedoch immer wieder in meine Erinnerung. An dem Tag sind wir quasi über uns hinaus gewachsen. Über diesen Tag, über diese hammerverdammt coole Wanderung von 36 Kilometern zu den Emperor Falls in British Columbia / Kanada möchte ich heute berichten.

Wir waren schon gut 3 Wochen im Wohnmobil in Westkanada unterwegs, haben Vancouver und Vancouver Island durchstöbert, zig Wasserfälle besichtigt, haben uns so reingeübt in die Wegsamkeiten der Rockies, in die Tagesabläufe des Camperlebens, die lauwarmen Duschen auf den Zeltplätzen, das Licht, das Essen, das Treibholz und so möchte unsere Reise nun kumulieren. Nur war uns das zu dem Zeitpunkt noch nicht so bewusst.

Der Himmel ist strahlend blau, den letzten besten Burger vom Clearwater Stop noch im Bauch, rollen wir auf dem Yellow Head Highway Nr. 16 von Clearwater kommend, entlang. Plötzlich schiebt sich sich der gigantische Mount Robson ins Bild.

Mount Robson

Mount Robson

Mit seinen 3954 Metern gilt er als höchster Berg der kanadischen Rocky Mountains. Mega, dass er sich uns so unverhüllt zeigt – denn laut Reiseführer steckt er an 2 von 3 Tagen in den Wolken. Das ist unser Zeichen. Hier muss er irgendwo sein, der Robson Meadows Campground. Unsere nächste Schlafstätte, wo wir seltenerweise mal 2 Nächte bleiben wollen.

Bei der geplanten Länge der Wanderung empfiehlt sich das unbedingt. Provincial Parks sind staatlich geführte Parks, mit ziemlich genialen Campingplätzen, welche wir uneingeschränkt empfehlen möchten. Auf unserer Reise im Mai 2019 haben wir alle Plätze spontan angefahren und immer einen Stellplatz gefunden.

Wir passieren die menschenlose Pforte und lesen uns das Anmeldeprozedere durch.

Anmeldung auf dem Campground Robson Meadows

Im Prinzip ist es wie überall. Wer reserviert hat, wurde schon einem Platz zugewiesen. Die Ziffern stehen dann meistens irgendwo auf einer Liste. Wer, so wie wir, nicht reserviert hat – darf sich einen der frei verfügbaren Plätze aussuchen. Also fahren wir mal den spiralförmig angelegten Platz ab. Durch die grünen und roten Schilder sind die noch vacanten Flächen gut erkennbar. Wir wählen Platz Nummer 40, da er nah am Frischwasser, den Toiletten und dem Hauptweg ist. Eine Nacht hier zu stehen kostet 28,00 kanadische Dollar. Und so sah unser favorisiertes Plätzchen aus:

Robson Meadow Campground

unser Stellplatz Nr. 40 Robson Meadow Campground

Bevor wir zeitig schlafen gehen, erfolgt das übliche Erkundungsprozedere der näheren Umgebung. Auf dem Weg zum nur wenige Minuten entfernten Mount Robson Visitor Center staunen wir nicht schlecht, denn das allererste Mal sehen wir Kolibris. Supersüß fliegen sie immer wieder an die für sie bereitgestellten Tränken und saugen mit ihren sehr langen spitzen Schnäbeln Wasser. Die Luft schwirrt vor lauter kleiner Propeller. Mit Dank an Marcus für dieses wunderschöne Bild:

Kolibris

Foto: Marcus Kahl / www.fotokahl.de – Kolibris

Dann durchstöbern wir das extrem gut geführte Visitor Center, das W-lan funktioniert nicht wirklich und natürlich dürfen die uns mittlerweile vertrauten Bärenwarnungen nicht fehlen. Irgendwann gewöhnt man sich daran in der Wohnstube von Bär, Puma & Co zu wandern …

Visitor Center Mount Robson

Visitor Center Mount Robson

Bärenwarnung

Bärenwarnung Kanada

…vielmehr beschäftigt uns die Frage – wie weit werden wir am nächsten Tag kommen? Wir inspizieren die Wanderplakate… und nach Kichererbsen, Reis und Süßkartoffel geben wir uns der unendlich weiten Nacht der Rocky Mountains hin. Bestimmt umstreift ein Bär unseren Camper… mindestens jedes Rascheln oder Knacken im Gebüsch könnte einer sein …. hach. Wildromantisch…. bis kaum aushaltbar aufregend. (zumindest in meinem Sandra-Gehirn. Marcus schläft einfach ganz normal 😉 ….

Jedenfalls starten wir dann sehr früh und fahren, dank eines sehr freundlichen Hinweises eines Wanderers, mit dem Auto noch die paar Kilometer auf der Kinney Lake Road ganz bis zum Ende. Hier ist nochmal ein großer Parkplatz und der offizielle Wanderweg beginnt. Schadet also nicht, mit Leuten vor Ort zu reden. Allein dieser Hinweis war Gold wert, so sparen wir uns die gut 2 Kilometer Asphalt und starten hochmotiviert. Endlich geht es auf den Berg Lake Trail los und der Parkplatz zeigt es – wir sind so ziemlich die ersten, die heute in diesen Wanderweg starten.

…es geht los!

Das erste Zwischenziel ist der Kinney Lake. Fünf Kilometer, laut Ausschreibung sind es 1,5 Stunden bis dorthin. Easy. Für Familien empfohlener schöner, wenig herausfordernder Weg durch den Wald. Halt … wenig herausfordernd durch den Wald? Hier war doch irgendwas mit Bären, oder? Und wem gehören diese Fußspuren? Weiß das jemand? Dann schreibt es mir mal bitte in die Kommentare, ob das Bärentatzen sind …

Spuren im Schlamm … von wem nur?

Ich bin leicht alarmiert. (erst später – wenn wir längst zurück sind – wird mir Marcus gestehen, dass er mir ein frisches Bärenexkrementenhäufchen zu Beginn des Wanderweges  verschwiegen hat).

Der Weg führt an einem wilden Bach entlang und dann erreichen wir den besagten Kinney Lake … tja, was soll ich sagen … manchmal schafft es die Natur uns beide sprachlos zu machen. Spiegelglatte Wasseroberfläche …. und dann das Bergpanorama.

Kinney Lake

Kein Mensch weit und breit. Doch halt … ein einziger älterer Herr. Ganz leise schleicht er den Weg entlang. Er erschrickt sich genauso wie wir … und alle zusammen lachen und freuen wir uns … nein, wir sind keine Bären … sondern Menschen. Gott sei Dank, Fell wäre mir auf der Wanderung echt zu warm. Wir sprechen kurz mit ihm – und er erzählt uns, dass uns seine Tochter etwa eine halbe Stunde vorraus ist. Ganz allein. (na dann bin ich mal gespannt, ob wir sie treffen).

Kinney Lake

Wir umrunden den türkisblauschimmernden See, durchwandern den ersten Campingplatz, laufen am Fluß entalng und wie schön, dann geht es noch über eine Hängebrücke mit diesem genialen Ausblick… Wir steigen dann mit dem Hauptwanderweg eine kleine Anhöhe hinauf um später eine Senke zu durchwandern. Hier müssen wir über mehrere Minibrücken, die jeweils nur von einer Person begangen werden dürfen. Gibt sicherlich ab und an viel mehr Wasser in dieser Senke als heute.

Wir sind jetzt wahrscheinlich so circa 3 Stunden unterwegs und treffen tatsächlich mal wieder ein paar Wanderer. Viele sind´s nicht, die sich heute auf diesem Weg bewegen. Obgleich wir das total toll finden, überrascht es uns natürlich auch. Immer wieder sind kleine Holzppflöcke mit der Kilometerzahl am Wegesrand…und so allmählich… wirds echt anstrengend. Jetzt brauche ich meinen Kopf…. und den von Marcus auch noch. Ein schöner Ausblick macht vieles wett.

Foto: Marcus Kahl / www.fotokahl.de

Foto: Marcus Kahl / www.fotokahl.de

Mittlerweile geht es wirklich nur noch bergauf, es wird auch mal rutschig, Steinschlag wird angekündigt und irgendwann – es muss so bei Kilometer 10? gewesen sein – enden die Kilometerangaben. Jetzt erst merke ich, wie mir die mit Zahlen beschriebenen Holzpflöcke geholfen haben.

Schritt um Schritt ziehen wir hoch. Ich meckere ein bisschen – Marcus meckert zurück und hat die Hoffnung, mich damit bis zum Wasserfall zu ziehen. Schafft er auch. Die Wanderung ist echt hart. Der Mount Robson ist die ganze Zeit rechter Hand von uns und irgendwann …. halt … erst liegt da noch ein Bärenexkrementenhäufchen…. …irgendwann … sehen wir in relativer Ferne einen Wasserfall…. und dann kommt die einzelne Frau um die Ecke. Sie ist schon wieder auf dem Rückweg. Es kann also jetzt wirklich nicht mehr weit sein – außerdem lässt sie uns wissen, dass der Berg Lake zugefroren ist. Dann macht es also gar nichts – dass wir es heute bis dahin ohnehin nicht schaffen würden. Also ich würde es definitiv nicht schaffen. Marcus zaubert ja dann immer noch irgendwo Reserven her.

Aber bis zu deeeeeeeen EMPEROR FALLS haben wir es auf alle Fälle geschafft …. unsere Freude, die bis zum heutigen Tag in jeder Zelle anhält – ist einfach nicht in Worten abzubilden. Schreien bringt nix – der Wasserfall ist eh viel lauter …. breit grinsen geht gut – denn wir lachen der Sonne direkt ins Gesicht. Und sie uns in unseres. Das ist ja ein megamäßiger Wasserfall.

Emperor Falls

Geschafft! Emperor Falls – Kanada

Fototime – Emperor Falls

Banana-Time

Bananentime. Fototime … und der fatale Fehler von mir, die Schuhe auszuziehen. Nur wenige Minuten gönnen wir uns am Wasserfall eine Pause. Bestaunen das kleine Schneefeld, welches sich durch die Gicht gebildet hat. Auf einem kleinen Trampelpfad sieht man, laufen die Leute bis ganz nach vorn. Da wir nicht sicher sind – was unter dem Schneebrett ist – lassen wir das mal lieber.

Dann treten wir den Rückweg an. Wir laufen fast genauso zurück, wie wir gekommen sind.

Rückweg

Es gibt keine Alternativen – außer – nach der Durchquerung der Senke schreiten wir nicht wieder auf die Anhöhe hinauf, sondern laufen quasi im Flußbett, welches heute nicht so viel Wasser führt.

Ob das immer so geht – weiß ich nicht. Falls einer was weiß, schreibt es doch mal bitte rein in die Kommentare und falls einer ein Foto sponsern möchte – wo deutlich mehr Wasser drauf ist – dann freue ich mich, wenn Ihr mir das schickt. (sandrahintringer@aol.com)

Es sind noch ungefähr sieben Kilometer Weg als meine Ferse mir sagt – hier entsteht gerade eine Blase. So etwas passiert mir eigentlich nie – und genau jetzt weiß ich, was wir im Camper zwar zahlreich liegen – aber vergessen haben einzupacken. Das gute Blasenpflaster. Ende vom Lied – ich humpele mich die letzten Kilometer mühevoll zurück und dann kommt auch noch die Story mit dem verschwiegenen Bärenexkrementenhäufchen …tsssss.

Das Blasengehumpele kostet uns leider mindestens eins Stunde mehr Zeit, sodaß die Sonne schon ziemlich tief steht, als wir endlich extrem glücklich den Parkplatz erreichen. In Schuhe komme ich die nächsten paar Tage nicht mehr rein – aber ein paar kleine Opfer muss man für Highlights schon bringen, oder?

Wer von Euch war schon mal bei den Emperor Falls? Wie habt Ihr die Wanderung erlebt? Unterwegs haben wir zum Beispiel auch Leute ohne Rucksack und nur in kurzer Kleidung getroffen. Für die war das ein kleiner Spaziergang …. so verschieden ist das.

Und mein Learning?! Ich werde bei der nächsten längeren Wanderung einfach ein paar trockene Wechselsocken einpacken.

Mit diesem Beitrag beteilige ich mich an der Blogparade „Jahresrückblick Reisehighlights 2019“ von Andreas von www.reisewut.com. Danke an Andreas für die Inspiration und den Anstoß … ohne die Blogparade wäre dieser Beitrag heute noch nicht online gegangen! Aber ich musste mich ja ein wenig beeilen, denn die Parade läuft nur noch bis 19.01.19 … dann bin ich auf die Auswertung gespannt und wieviele Leute dieses Jahr mitgemacht haben. Letztes Jahr waren es wahnsinnige 42 … extrem gut.

Danke an Euch alle – wie immer für´s Mitreisen … bestimmt krame ich schon bald das nächste Anekdötchen aus meinem Gedankenkoffer. Falls Dir das zu lange dauert und Du Reise- oder Fotoblogger bist und uns gern mal persönlich treffen möchtest, dann geht das gut bei unserem BloggerBarCamp in Potsdam. Dieses organisiere ich mit meiner Kollegin Kerstin. Wir freuen uns jetzt schon auf Austausch und für mehr Informationen oder eine ganz spontane Anmeldung kommst Du einfach mal auf unsere Seite: www.blogger-barcamp-potsdam.de

Und ein besonderer Dank geht natürlich an Marcus – der unsere Reise wahnsinnig bebildert hat. Wenn Ihr mal bei ihm stöbern wollt …. dann geht hinüber zu: www.fotokahl.de

Und falls das nun Eure erste Arbeitswoche in 2020 ist – guten Start 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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