Auf ins unbekannte Allgäu!

Foto Anja Hintringer

Meine lieben Leser – ganz selten, aber heute ist es mal wieder soweit. Ich darf einen Gastbeitrag ankündigen, über den ich mich wieder sehr freue. Eine meiner Stammleserinnen (verpflichtet Familie eigentlich?! 😉 ) …hat sich dieses Mal sogar völlig freiwillig mit diesem wunderbaren und informativen Text über das Allgäu zu Wort gemeldet. Anja, meine Schwester – reist genauso gern wie ich und arbeitet sogar noch im Reisebüro. Besser geht es ja eigentlich gar nicht…

Und hier beginnt die spannende Reise von Anja und ihrem Partner durch´s Allgäu:

Sooo oft haben wir den Begriff Allgäu schon gehört und mit Blumenwiesen, Kühen, Gebimmel, Käse und natürlich Bergen verbunden.

Das Allgäu ist eine Moränenlandschaft im Süden Deutschlands, welche zu 80% in Bayern und zu 20% in Baden-Württenberg liegt. Dazu kommen ca. 100qkm Kleinwalsertal und Jungholz – zwei österreichi-sche Exklaven.
Vor der Industrialisierung webten die Menschen im Allgäu Leinwand und hatten damit ein gutes Auskommen. Durch den technischen Fortschritt ging dieses Handwerk verloren. Anstatt aus Flachs Leinen zu weben, wurde auf Viehwirtschaft umgestellt. Weidewiesen, Milchwirtschaft und die Herstellung von Käse traten in den Vordergrund. Zu verdanken ist diese „Umstellungsidee“ dem Allgäuer Carl Hirnbein.

Heute steht der Tourismus an erster Stelle. Grund dafür ist die intakte Natur.
Wir waren im September 2018 in Oberstaufen und während die Wiesen und Wälder im restlichen Deutsch-land sehr ausgetrocknet waren, konnten wir uns rund um Oberstaufen / Bodensee / Oberstdorf über saftig grüne Wiesen, Bäche und Wasserfälle freuen.

Auf geht´s! Wir nehmen euch zu einigen Orten und Aktivitäten mit.

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

1 / Wanderung zu den Buchenegger Wasserfällen

Von Oberstaufen geht es über den Ortsteil Weissach ins Bergdorf Steibis. Hier gibt es eine gute Bergkäserei, die genossenschaftlich organisiert, ihren selbst hergestellten Käse ab Hof verkauft. Über Wiesen und einen Waldlehrpfad geht es immer weiter in Richtung Wasserfälle. Im Hochwald angekommen laufen wir ziemlich lange steil bergab. Zum Schluss sind Kletterkünste gefragt, um ganz unten am Wasserfall anzukommen.

Beeindruckend, wie tief sich hier die Weißach eingeschnitten hat. Der Wasserfall ergießt sich aus 18m Höhe in eine große Gumpe. Im Sommer wird diese zum Baden genutzt. Wir überqueren nach Picknick und Blickgenuss eine Brücke und dann geht es wieder ziemlich steil bergan auf der anderen Seite den Wanderweg entlang. Achtung, man sollte schwindelfrei sein und nicht gehbehindert. Die Wege sind nicht durch Seile oder Geländer gesichert. Fast oben angekommen, bietet sich die interessante Aussicht von oben auf den Wasserfall.

Weiter bergan durch schönen Mischwald endet der Weg dann irgendwann an einem Parkplatz. Dort angekommen entscheiden wir uns für den Rückweg nach Oberstaufen und kehren spontan in der am Weg liegenden Seppls Gartenwirtschaft ein. Danke für den netten Service und die schöne Atmosphäre.

Direkt neben der Terrasse hängt die frisch gewaschene Wäsche der Besitzer und hinter der Hecke stehen die Kühe. Es gibt einen schönen Spielplatz für Kinder. Das Essen ist lecker und die Pause kam zur rechten Zeit. Danach geht es nur noch „runter vom Berg“. ca 29.000 Schritte waren am Abend spürbar…

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

2 / Viehscheid in Thalkirchdorf

…vor einigen Jahren waren wir in Ramsau Nähe Köngisee. Dort gab es einen Almabtrieb mit 8 ! Kühen…. Was uns in Thalkirchdorf erwarten würde, davon hatten wir nicht die leiseste Vorstellung…

Wir entschieden uns wieder, ab Hotel zu wandern und so stellten wir uns den Wecker auf 6:30. Wir wollten 8 Uhr losgehen. 7km durch das Konstanzer Tal lagen vor uns und ab 9 Uhr begann der Viehscheid.

Angekommen staunten wir nicht schlecht. Das kleine Dorf platzte aus allen Nähten. Die Wiesen/ Weiden waren in verschiedene Gatter geteilt und es standen jede Menge große Viehtransporter davor. Im Allgäu sagt man nicht Alm und Almabtrieb. Damit outet man sich als unwissend.

Hier gibt es die Alpe und den Viehscheid.

Und dann kamen die ersten Alpen mit ihren Tieren. Direkt an den Zuschauern vorbei war dies nicht ganz ungefährlich und es herrschte ohrbenbetäubendes Gebimmel. Jedes Tier hatte eine Schelle oder Glocke um den Hals. War das erste Tier aufwendig geschmückt, so war es ein gutes Jahr. Kein Tier ist auf der Alpe gestorben. Ein irre eindrucksvoller Tag. Viele Menschen mit traditionellem Dirndl und kracherner Lederhose feierten parallel zum Viehscheid im Festzelt. Es gab Weißwurst und Brezl, Bier, Kuchen, Kaffee, Blasmusik. Spannend, wie hier die Traditionen hochgehalten werden.

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

3 / Bregenz / Schifffahrt auf dem Bodensee / Lindau

Ganz spontan fahren wir nach Bregenz. Das Wetter ist so gut, dass die Fahrt auf den Pfänder 1064m lohnt, um den Bodensee von oben anzuschauen. Man kann die berühmte Seebühne von Bregenz sehen.
Auch sieht man von oben das Rheindelta. Man kann auf zwei Wegen „in den See hineingehen“. Auch Lindau war sehr gut von oben zu erkennen. Spannend ist auch, dass man in Österreich steht, in die schweizer Berge schaut und den Blick dann wieder in Richtung Deutschland richten kann.

Dreiländereck ganz nah…

Mit der Seilbahn wieder unten gelandet, schlendern wir Richtung See. Gerade kommt ein Schiff und wir sehen, dass dieses gleich weiter nach Lindau fährt. Ticket gekauft und los. Unser Auto bleibt derweil im Bregenzer Parkhaus. Was für eine schöne 25min Überfahrt nach Lindau! Das Wetter ist grandios und so genießen wir die Aussichten. Lindau – die Altstadt – liegt im Bodensee auf einer Insel.

Heute gibt es eine Straße und eine Bahnverbindung dahin. Früher gab es ein Kloster und ein Fischerdorf auf der „Insel auf der Lindenbäume wachsen“. Daher der Name. Der Hafen und die Altstadt bieten mittelalterliche bis mediterrane Atmosphäre. Wir empfehlen den Aufstieg auf den 33m hohen Leuchtturm. Beeindruckt haben uns die ehemaligen Rathäuser, die Maximilianstraße und der Narrenbrunnen. Zurück nach Bregenz zum Auto geht es mit dem Zug. Immer am See entlang bieten sich auch hier noch schöne Ausblicke.

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

4 / Wanderung zum Hochgrat

Das Gestein in dieser Region ist speziell. Es heißt Nagelfluh und schaut für uns aus wie angerührter Zement mit Kieselsteinen. Das schwierige daran ist, dass die runden Steine gern mal bergab unter den Wanderschuhen ins Rollen kommen…Huiii!

Nagelfluh / Foto Anja Hintringer

Nach einer Woche Urlaub nehmen wir den Aufstieg zum Hochgrat in Angriff. 967 Höhenmeter liegen ab der Talstation vor uns. Das Wetter ist nicht so heiß, die Sonne scheint.

Gemächlich geht es bergan. Vorbei kommen wir an einigen Alpen und vor allen Dingen an einer ca. 800 Jahre alten Eibe. Beeindruckend. Schon weit vor dem Mittelalter hat dieser Baum existiert. Es gibt hier in diesem Wandergebiet viele alte Baumveteranen. Spezielle Wanderrouten führen zu Ihnen.

Für uns geht es immer weiter bergan. Auf diesem Weg solltet ihr Wasser und etwas zu Essen dabei haben. Erst oben kurz vor der Bergstation gibt es die Möglichkeit, im Staufnerhaus einzukehren.

Vorbei an einem Wasserfall geht es steil immer immer weiter bergan. Die Aussichten belohnen und es macht Spaß, immer mehr Sichtachsen zu erleben. Später passieren wir das Staufnerhaus auf über 1600m Höhe ( Essen und Service sehr gut ) und gelangen an die Bergstation der Seilbahn.

Weiter geht es in Richtung Gipfelkreuz am Gratweg entlang. Achtung, auch hier solltet ihr nur schwindelfrei und trittsicher unterwegs sein! Links vom Weg geht es teilweise steil abwärts. Schritt für Schritt wird es etwas mühsamer, aber es macht froh, diesen Weg mit den eigenen Füßen zu bewältigen.

Oben angekommen erwartet uns die Aussicht bis zum Bodensee! Belohnung pur. Danach geht es zurück zur Bergstation. Wir kehren ein. Durch Zufall erfahren wir, dass heute ein ganz besonderer Tag hier oben ist. Zu den unzähligen Gipfeln, welche man von hier oben sehen kann, gesellt sich heute der höchste Berg Deutschlands

– DIE ZUGSPITZE !!!

Das passiert äußerst selten!

Wir haben uns von einem Mitarbeiter der Bergstation zeigen lassen, wo der Gipfelzipfel ist. Genial! Danach belohnen uns mit der GondelAbfahrt. Wir finden es schön, dass diese Bahn noch „alte Gondeln“ hat. Nicht perfekt. Nicht modern. Nicht schnell. Nicht viele Massen befördernd. Herrlich!

Wir haben heute Wanderer getroffen, die oben am Hochgrat nur einen Zwischenstopp eingelegt haben, weil sie entlang der Nagelfluhkette weiter laufen. Dazu findet ihr jede Menge Infos im Netz.
Die Sauna entspannt am Abend die müden Muskeln und wir verschwinden früh im Bett. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

5 / Breitachklamm

Heute fahren wir so richtig richtig ins Oberallgäu in Richtung Oberstdorf. Von ferne sehen wir die Skischanze. Sehr beeindruckend! Unser Ziel heute ist aber nicht das Nebelhorn und der Ort. Wir wollen uns ein anderes Naturschauspiel nicht entgehen lassen. Die Breitachklamm.

Gestern hatte es viel geregnet, nach dem ja der Sommer bis dato nur trocken war. So sollte durch die Klamm jetzt etwas mehr Wasser fließen. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die auf diese Idee kamen…

Mit Nieselregen starten wir den gemütlichen Einstieg und wandern ca. 45 min durch diese beeindruckende Klamm mit Wasserschnellen, Wasserfällen, Tunnel und Felsbabbruch immer weiter bergan. Unsere Empfehlung: Nehmt den Weg weiter zur Alpe „Hinter der Enge“ auf euch. Sie ist klein, ganz gemütlich und es gibt leckeres Essen. Nach unserer Einkehr gehen wir den Weg durch die Klamm zurück und erleben damit noch andere interessante Blickwinkel. Seht selbst.

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

Foto Anja Hintringer

6 / Abstecher ins Kleinwalsertal

Von der Breitachklamm aus sind es nur ein paar Kilometer bis ins Kleinwalsertal. Man gelangt nur über Deutschland in diese österreichische Exklave. Uns interessiert der Grenzübergang und die Region. Also fahren wir hin. Kein Schlagbaum, keine Kontrollen. Zack, wir sind in Österreich. Wir fahren einmal komplett durch bis nach Baad – letzter Ort im Tal – und entschließen uns hier noch zu einer kurzen Wanderung.

Wie so oft spontan landen wir in hier einem unheimlich schönen Tal mit Bach und vom Schnee leicht gezuckerten Bergspitzen mit über 2200m Höhe. Grandios. So hohe Berge beeindrucken dann doch irgendwie mehr. Die Bärgundhütte, die wir erreichen, ist die größte und älteste Alpe im Tal. Wir erhaschen noch zwei Stück leckeren Käsekuchen und steigen dann wieder ab. Ein schönes Ziel und auf einer Halbtagestour machbar. Im Kleinwalsertal waren wir bestimmt nicht das letzte Mal.

Bärgundhütte Kleinwalsertal / Foto Anja Hintringer

Kleinwalsertal / Foto Anja Hintringer

…wir kennen jetzt den Unterschied zwischen Glocke und Schelle und freuen uns, diese Region bei bestem Wetter für uns entdeckt zu haben…

Foto Anja Hintringer

Also ich habe jetzt Lust bekommen, mal ins Allgäu zu reisen … vielen Dank Anja!

Wenn euch der Gastbeitrag gefallen hat – dann lasst gern einen Kommentar für Anja da! Wie ihr wisst – sind die Kommentare der Beifall für den Schreiberling und Blogger! Vielen Dank!

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