6/28 Hawaii: Unterwegs zur fließenden Lava

über die Govermental Beach Road nach Kalapana (Bildquelle: googlemaps)

Heute haben wir ein spektakuläres Ziel. Das wohl spektakulärste auf der ganzen Reise. Wir wollen zum aktiven Teil des Kilauea Vulkans und die daraus fließende Lava besichtigen. Dieser Lavastrom wird als 61G bezeichnet.  Ein spannendes Unterfangen, denn so richtig sichtbar wird das rötliche Glühen natürlich erst nach Sonnenuntergang.

….Kleiner Einschub – bereits kurz nach unserer Reise (Stand April 2018) haben wir erfahren, dass im Moment keine zu besichtigende Lava fließt. Dafür ist was anderes für mich kaum vorstellbares geschehen. Der mächtige Halama´uma´u Krater, denn wir rot leuchtend und dampfend erlebt haben, ist übergelaufen. Das ist mal krass. Als wir dort waren – bedeutete es schon großes Glück, wenn man die blubbernde Lava überhaupt sehen konnte. Und nun quillt der Topf einfach über und die Lava fließt in den größeren Krater. Hier noch mal ein Bild zur Erinnerung. Da wo es auf dem Bild rausdampft ist der aktive Krater, hier läuft die Lava raus und füllt den Boden des größeren umgebenden Kraters.

Halema´uma´u Krater

…. doch weiter im Tagesgeschehen: Bis zur besten Zeit der Wanderung, der Dämmerung ist noch viel Zeit, der Tag wird lang und so trödeln wir heute das erste Mal ein wenig. Das ist das schöne an einer AirB&B Unterkunft und an einem 4wöchigen Urlaub. Da wir uns selbst versorgen, müssen wir zu keiner bestimmten Zeit beim Frühstück sein. Im dschungeligen Vogelgezwitscher und umgeben von herrlichem Grün, schlürfen wir Kaffee und beginnen erste Arbeiten zur Reiseberichterstattung.

Frühstück im Dschungelhaus

Gegen Mittag starten wird von unserer Unterkunft im Paradise Beach Park zur Govermental Beach Road. Das ist die am Meer entlang führende Straße, welche die südöstliche Spitze von Big Island umfährt. Diese ist zum Teil unbefestigt und wieder freuen wir uns über unser Autoupgrade auf 4×4. Der reinste Acker, auch wenn es auf dem Foto recht harmlos ausschaut.

Govermental Beach Road / Big Island / Hawaii

Wir rumpeln durch große Schlaglöcher, realisieren wieder die Dimension der Lavalandschaft. Hier und da lugen noch ein paar schwarze Brocken durch aber der größte Teil der Strecke ist von gigantischer Vegetation. Riesige Bäume, welche teilweise die Straße wie ein Torbogen umkleiden. Dichter Urwald säumt den Straßenrand und dazwischen immer wieder Grundstücke. Manchmal kann man sie nur an den Briefkästen an der Straße oder dem „nicht betreten“ Hinweisschild erkennen.

unglaubliche Vegetation / Govermental Beach Road / Big Island / Hawaii

Und dann stehen wir im Stau 🙂

Stau wegen Baustelle

Danach kommen wir am Kap Kumukahi vorbei. Der östlichste Zipfel des Bundesstates Hawaii. Später werden wir erfahren, dass wir auf der Weiterfahrt den geothermalen Pool am Ahalanui Beach Park verpasst haben. Macht nix, alles kann man einfach nicht besichtigen und warm baden wollten wir heute eh nicht. Dafür verweilen wir ein paar Minuten am Hippiestrand Kehena Black Sand Beach. Eine illustre Mischung von Menschen, das muss jetzt das echte Hawaii sein. Frei, unbeschwert, mit der Natur verbunden.

Kehena Black Beach

Wir kraxeln den Felsenpfad hinunter und stehen auch hier kurz Schlange. Wieder sind wir nicht allein. Ein handgemaltes Hinweisschild weist auf die Gefahren des Ozeans hin. Einmal pro Jahr holen sich die Wellen hier einen Mensch. Bei der Traumkulisse verdrängt man gern das Unliebsame.

Hinweisschild: Dieser wunderschöne Strand ist GEFÄHRLICH. Gott segne die Seelen, welche hier von uns gegangen sind.

Kennt ihr noch Heinz Jankofsky, den Karrikaturist? So komme ich mir hier grad vor. Hier kuschelt ein Männerpaar, da bewundert ein kleines Kind seinen Pipistrahl. Natürlich mitten auf dem Strand. Und überhaupt, ist das ein Strand, wo der amerikanische Kleiderkodex nicht gilt. Gemessen an den letzten Tagen geht es hier nicht unangenehm freizügig zu…

Ich setze mich mal paar Minuten am Rande des Strandes auf einen schönen warmen Lavabrocken und komme mir in meiner Trekkinghose mit Rucksack auf dem Rücken gar schon spießig vor. Kurz darauf kommt eine ältere Frau in meine Richtung gelaufen, bleibt 3 Meter vor mir stehen und stützt sich mit Blick zu mir auf einem Stein ab. Jetzt beginnt ihre Yogassession. Rücken durchstrecken zum Himmel schauen und sich wieder zurückschieben, den Hintern in die Luft. Kobra und Herabschauender Hund. Sehr schön. Doch zu gern würde ich ihr sagen, dass ihr leider eine Brust aus dem Bikini gerutscht ist. Marcus wollen wir mal gar nicht befragen, der sich der turnenden Frau von hinten nähert. Man oh man.  Doch das alles scheint sie mehr zu genießen, als das es sie stört. Ein paar verrückte tummeln sich in den mannshohen Wellen. Nicht ganz ungefährlich, ich jedenfalls traue mich nicht rein.

Die Nackedeis sind an diesem Strand geduldet – wer Nudismus also mag, ist hier richtig.

Nun ist es 15 Uhr, die beste Zeit Kalapana und die hier befindliche Lavabeobachtungsstelle anzusteuern. Die Straße führt über viele Wellen auf und ab. Und nein, Marcus – ich habe keine Lust wieder schwungvoll abzuheben.

wellige Straße

Da die Wanderung über das Lavafeld eine sehr umfangreiche Wanderung ist, auf die man sich nicht unvorbereitet begeben sollte, habe ich diese in einem Extrabeitrag beschrieben. Du findest die Lavabeobachtung bei Kalapana HIER.

Nachdem wir das Auto abgestellt haben, sind wir auf der Suche nach einem Mietfahrrad. Da es dann die hier abgebildeten mit den süßen Kuscheltieren am Lenker werden, wussten wir in dem Moment noch nicht.

auf der Suche nach einem Bike

Paar Meilen geht es dann über staubigen Schotter, um dann den windigen Beschreibungen der Einheimischen über das Lavafeld zu folgen. Einfach rechts hoch. Ok. Irgendwo weit hinten dampft es, das muss unser Ziel sein und wir sind unglaublich glücklich, als wir vor der zähfließenden, glühenden Masse stehen. Ein Lebensmoment, den ich nie vergessen werde. Wir fühlen uns mit dem innersten unserer Erde connectet – das fühlt sich irgendwie bedeutsam an.

LAVA!!! Glühendheiß.

Diese Wanderung ist wohl eine der spektakulärsten Sachen, welche ich in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich meine – wir wandern zur aktiv fließenden Lava. Das ist unvorstellbar. Gut 5 Stunden sind wir von und zum Parkplatz insgesamt unterwegs. Auf der Wanderung haben wir ein deutsches Studentenpärchen getroffen. Zusammen besuchen wir nun noch den Farmer Market in der Nähe.

Livemusik, allerlei Essensstände und auch wieder Kunsthandwerk geben eine quirlige angenehme abendliche Mischung. Wir sehen den einen oder anderen Lavafeldwanderer wieder. Nach der Aufregung auf dem Lavafeld habe ich seltenerweise kein Hunger. Vielleicht auch, weil ich ein Haufen Wasser getrunken habe. Es ist mächtig staubig da. Die anderen finden alle was Leckeres. Für Marcus gibt es einen saftigen Burger.

Marcus vor der Burgerbude

Dann geht es wieder zurück zu unserer Dschungelunterkunft. Wir sind doch ganz schön erschöpft aber überglücklich. Mission Lava geglückt!

 

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