Von Baggern und Schaufeln – mein Besuch auf der Abraumförderbrücke F60 in Lichterfeld

Förderbrücke F60
Förderbrücke F60

Ich muss gestehen, dass ich bis zum heutigen Tage keine wirkliche Ahnung hatte, was genau und wie vor allem eigentlich eine Abraumförderbrücke arbeitet und wie man auf den doch recht technischen Namen F60 kommt.

Doch im Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld bleibt dank umfangreicher Fachkenntnis der Fremdenführer keine Frage offen.

Wir hatten das Glück heute mit Herr Hilmar  Laube eine Runde auf dieser riesigen Stahlkonstruktion zu drehen. Beim Abschied meinte er, wenn es Ihnen gefallen hat, erzählen Sie es möglichst oft. Und das möchte ich nun tun …. doch beginne ich mal ganz vorn:

…wenn ich an Tagebau und Abraumförderbrücken denke, so kommen wir vor allem zwei Dinge recht spontan in den Sinn. Das sind zum einen die doch recht großen ungetümen Gebilde, welche so hier und da mal in der Landschaft standen, mich aber inhaltlich noch nie sonderlich interessierten.

Und ich muss an die für mich traurigen Bilder völlig menschenleerer Orte denken. Für mein Gefühl eine schauerliche Vorstellung, dass ganze Orte dem Tagebau zum Opfer fielen. Im Hinblick auf Energiegewinnung, musste das wohl sein und ich hoffe einfach inständig, dass alle Betroffenen irgendwie wieder Fuß fassen konnten.

Die Anreise zur Abraumförderbrücke F60

Heute jedenfalls fahren wir nach einer entspannten Nacht und schönem Frühstück im Schlossparkhotel Sallgast nach Lichterfeld. Das Besucherbergwerk F60 befindet sich in der Bergheider Straße 4 in 03238 Lichterfeld. Es ist sehr gut ausgeschildert und verfügt über einen großen Parkplatz. Unglaublicherweise ist dieser sehr voll, da auf dem Gelände das nicht zu überhörende Feel-Festival tobt. Bässe bummern und verschlafene Festivalbesucher stolpern durch die Gegend. Daran muss ich mich kurz gewöhnen, doch dann geht’s.

Dimensionen der F60

Dimensionen der F60

Nur wenige Schritte sind es vom Parkplatz zum Infozentrum und ich komme glatt aus dem Staunen über diese riesengroße Maschine nicht mehr raus. Erhaben thront sie förmlich in der ehemaligen Tagebaulandschaft. Der Wahnsinn. Ihr müsst unbedingt mal dorthin.

Wir bekommen heute eine Privatführung, doch bevor es so richtig los geht gibt es natürlich noch den obligatorischen „Bob-der-Baumeister-Helm“ auf unsere Rüben. In Blau. Na großartig. Nachdem wir uns alle ein wenig gegenseitig ausgelacht und fotografiert haben, dürfen wir die ersten stählernen Treppenstufen erklimmen.

F60

F60

Herr Laube erklärt uns, dass das „F“ für Förderbrücke steht. Gut – darauf könnte man ja noch kommen. Die Zahl 60 bezieht sich auf die Höhe, welcher ein Bagger jeweils abtragen kann. In diesem Fall sind es 30 im Hoch- und 30 im Tiefschnitt. Macht insgesamt 60 Meter und damit die größte Abraumförderbrücke, welche je in der damaligen DDR gebaut wurde.

Auf zur Aussichtsplattform in 75 Meter Höhe

Auf zur Aussichtsplattform in 75 Meter Höhe

Wenig später geht es mehr oder weniger stufenlos aber stetig weiter aufwärts.

IMG_1634Der höchste Punkt zu dem wir dürfen ist die Aussichtsplattform in Form einer Bauhütte. Sie befindet sich in 75 Meter Höhe ganz am Ende der Förderbrücke.

Wahnsinn!

Wahnsinn!

Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 502 Meter. Liebevoll nennt man diese Konstruktion den liegenden Eifelturm der Lausitz.

Durchsichtig aber sicher! Der Rundgang auf der F60

Durchsichtig aber sicher! Der Rundgang auf der F60

Der Rundgang ist gut begehbar, stabile gelbe Geländer in Brusthöhe vermitteln wirklich viel Sicherheit und am Aussichtspunkt gibt es neben einem unbeschreiblichen Rundumblick auch ein paar Stühle zum Ausruhen. Die Weite und Ferne fesseln unseren Blick. Unter uns entdecken wir die unzähligen bunten Zelte der Festivalbesucher, das sieht eigentlich ganz hübsch aus und die wummernden Geräusche sind hier oben nur Hintergrundgeräusch. Außerdem sehen wir mehrere Solarparks, Windräder sowie den fast komplett gefluteten Bergheider See. 2 Meter fehlen wohl noch und seit kurzem ist das Baden offiziell erlaubt. An seiner Stelle stand einst der Ort Bergheide.

Berghaider See / Blick von der F60

Bergheider See / Blick von der F60

Es dauert eine Weile, bis ich endlich verstehe, dass diese Förderbrücke lediglich dazu da ist, Erdreich und Sand zu verräumen, damit letztendlich die Bagger an die Kohle rankommen. Ich verzeihe mir diese Gedankenschwäche, da Tagebau ja nun mal nicht mein Tagewerk ist und ich darüber einfach noch nie nachgedacht habe.

Wir erfahren noch ein wenig bitter ernste und dennoch nun ein wenig amüsante DDR Geschichte. Herr Laube erzählt uns, dass die Maschine manchmal nur wieder fit gemacht werden konnte, wenn er mit einem Päckchen Kaffee oder Theaterkarten anrückte, das entsprechende Teil zu bekommen. Das fast versteckte, jedoch deutlich bestätigende Nicken in den Gesichtern der Eltern lässt mich wissen, dass die Beschaffung von Gütern in der DDR einfach echt anstrengend war.

Blick von oben

Blick von oben

Auch die Frage nach den Toiletten wird geklärt, seid einfach selbst auf die Antwort gespannt, wenn ihr mal dort seid. Alles kann ich hier ja nun wirklich nicht verraten.

So allmählich heißt es dann schon wieder Abschied nehmen, diese 90 Minuten vergehen wie im Fluge und gern wären wir auch noch länger auf der Brücke geblieben. Das Interesse der Touristen ist jedoch enorm und so funktionieren die Besichtigungen nur mit einem straffen und übrigens sehr gut organisiertem Ablauf. Per Funk bleiben die Besucherführer mit dem Zentrum in Verbindung und so wäre es auch immer möglich – Leute mit Höhenangst oder anderen Problemen durch einen zweiten Mitarbeiter behutsam wieder nach unten zu führen. Hier ist wirklich an alles gedacht.IMG_1635Während des Abstiegs bestaune ich weiterhin diese unfassbar gigantische Stahlkonstruktion, welche einst zwar nur für kurze Zeit im Tagebau Klettwitz – Nord in Betrieb war, doch nun einen wahren Besuchermagneten darstellt. Ein Videofilm im Besucherzentrum rundet den Eindruck noch ab und um eine Erfahrung reicher, treten wir Heimweg nach Berlin an.IMG_1676IMG_1681

2 thoughts on “Von Baggern und Schaufeln – mein Besuch auf der Abraumförderbrücke F60 in Lichterfeld

  1. Die F60 rockt, ich war schon 2x da und werde sicherlich irgendwann wieder kommen. In Welzow Süd (glaube ich) kann man eine F60 noch ein Aktion sehen.

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Hallo Marc …. ja die rockt, das ist eine gute Beschreibung! Ich bin wirklich fasziniert, da ich so ein Teil einfach noch nie von der Nähe gesehen habe. In Aktion wäre auch noch spannend … danke für den Tipp.
      Lg Sandra

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