Japan – Die ultralange Anreise, erster Tag und Mount Fuji

Ja, wir können es nicht leugnen. Mit unserer dreiwöchigen Japanreise ist schon so etwas wie ein Traum in Erfüllung gegangen. Immer wieder zieht es uns magisch an. Das komplett Fremde, eine völlig neue Kultur, anderes Essen und das Gefühl, einfach mal ganz weit weg von allem zu sein. Unerschrocken ob möglicher unvorhersehbarer Dinge, sind wir mit dem Wohnmobil individuell 3 Wochen, ganze 3600 Kilometer durch Japan gereist.

Doch bevor es so richtig losgehen konnte, mussten wir uns einer unliebsamen ellenlangen Anreise stellen. Ganze 24 Stunden waren wir von Tür zu Tür unterwegs. Aufgrund dieser Tatsache haben wir uns zur Anfahrt zum Flughafen Berlin Tegel ein Taxi gegönnt und vorbestellt. Dieses holt uns in aller Herrgottsfrühe zu Hause ab und bringt uns für 60 Euro von Potsdam direkt zum Terminal. Wir haben unsere Flüge wieder bei Anja Hintringer im Tui Reisebüro Köpenick gebucht. Auch wenn die Suchmaschinen im Internet voll sind – die Reisebüros haben doch noch mal ganz andere Möglichkeiten und Preise. Vielen Dank also an dieser Stelle an Anja.

In Rom haben wir 3 Stunden Aufenthalt. Das ist ganz famos, denn der Kaffee in Italien schmeckt lecker und ist zudem entgegen unserer Erwartungen auf einem Flughafen total erschwinglich. Ich habe dann so meine liebe Mühe, Marcus von den XXL Süßigkeiten wegzubekommen. Wer zum Teufel braucht diese riesengroßen Lutscher? Wir nicht, aber für das Foto hat es zumindest Spass gemacht.

Verlockung?!

Endlich ist es dann soweit. Wir dürfen an Board und der Boardmonitor zeigt die ungeduldige Wahrheit. 10.000 Kilometer sind es von Rom bis nach Tokio. Wahnsinn. Irgendwo hört das Gefühl für Entfernung auf und wandelt sich in Zeit. 12 Stunden fliegen wir. Um solche ungnädigen Zeiten zu überbrücken, habe ich mir angewöhnt, ganze Bücher komplett durchzulesen. Seit ich nun meinen tollen e-Book Reader – Tolino Vision 4 HD(*Werbung) habe, ist es besonders toll. Denn der speichert eine ganze Bibliothek, ist spritzwassergeschützt und wiegt fast gar nichts. Den Hinflug versüsst mir dieses amüsante Buch, welches aus meiner Sicht sogar ohne Japanreise recht lustig ist: Darum spinnen Japaner: Neues vom Wahnsinn des japanischen Alltags(*Werbung).

Soweit ist es noch bis Tokio / Narita

Mit oder ohne Buch … machen wir uns nix vor. Ein Langstreckenflug ist echt ätzend. Schlafen kann man bei der heutigen Ölsardinenbestuhlung eigentlich nicht wirklich. Irgendwann kommt bei mir immer der Punkt, wo ich nicht mehr weiß, wohin mit mir. Da ich das weiß, buche ich konsequent immer Gangplatz. Jederzeit kann ich aufspringen, spazieren gehen oder einfach im hinteren Teil des Flugzeugs rumstehen oder meine Klumpfüße gymnastisch entstauen. Das mache ich sogar ganz gerne, denn dort ist die kleine Fensterjalousie immer oben, während im Rest des Fliegers meistens alle Schotten dicht gemacht werden. (Im Gegensatz zu mir verfallen die meisten Menschen erstaunlicherweise in richtigen Tiefschlaf.)

So. Neidischerweise muss ich feststellen, dass Marcus die ganzen 12 Stunden wie ein Buddha und vielleicht auch mal ein bisschen verknautschter auf seinem Fensterplatz sitzt. Wie geht das frage ich mich und ihn immer wieder. Wenigstens die Blase will doch bestimmt mal raus? Nicht zwingend.

Dann die ersehnte Ankunft. Erster Kontakt mit regelbüdürftigen Flughafenmitarbeitern. Die müden und dennoch aufgeregt umherlaufenden Touristen werden brav in eine Schlange megaphoniert um dann ihren Fingerabdruck abzugeben. Passkontrolle und Anstehen am Gepäckband. Mein Nervensystem wird leicht strapaziert. Mein Rucksack ist einer der letzten einsamen, der aus der Luke rausplumst.

Ankunft in Tokio / Narita

Ein erstes Erinnerungsfoto, dann holen wir unser erstes Geld. Wo auch immer wir hinreisen, wir holen immer erst am Ankunftsflughafen Geld. Erfreulicherweise hat das auch immer geklappt. Obwohl wir in manchen Belangen wie die sprichwörtlichen Schneider reisen. In Sachen Geld sind wir mit 4 funktionierenden Geldkarten gut vorbereitet. 2 Visacard und 2 Mastercard. Die Mastercard muss man für Japan bei der Bank vorher eventuell freischalten lassen. Unbedingt prüfen.

Mit der Keisei Main Line, so etwas wie einer S-Bahn, fahren wir 2 Haltestellen von Tokio Airport nach Narita Bahnhof / Narita Station. Das kostet uns jeweils 260 Japanische Yen. Umgerechnet sind das etwa 2,00 Euro für jeden. Der Ticketkauf war überhaupt kein Problem. Wir haben einen Schalter gefunden, einfach nur ziemlich deutlich „KEISEI“ gesagt und noch „NARITA STATION“ – der Schalterarbeiter wusste sofort, wo wir hinwollten.

Tickets für die Keisei Mainline

So frei unterwegs zu sein fühlt sich immer wieder grandios an. Wir erreichen schon nach wenigen Minuten Narita Station. Nebenbei bemerkt ist es knallheiß, gefühlt 35 Grad und trocken. Mit unseren dicken Rucksäcken stapfen wir aus dem Bahnhof und suchen nun einen Münzfernsprecher zum Telefonieren.

Bahnhof Narita

Nachdem wir im Shop nebenan Scheine in Münzen gewechselt haben, rufen wir Japancampers an. Mit dem Service dieses Vermieters sind wir total zufrieden gewesen. Wir werden kurz darauf mit dem Auto abgeholt. Alles aber auch wirklich alles klappt. Das ist schön. So macht Reisen Spass.

Telefonat mit Japancampers

Dann folgt das übliche Übergabeprocedere. Wir müssen eine Kaution hinterlegen. Wahlweise durften wir das in Euro oder Yen. Da wir vor Abreise in Deutschland nicht sicher wussten, dass wir Geld am Flughafen bekommen, haben wir es sicherheitshalber in Euro mitgenommen.

Es folgt noch eine Einweisung in das mitgemietete Tablet sowie die vorinstallierten Apps. Dies ist natürlich alles auf Englisch, immerhin. Denn wohlgemerkt befinden wir uns Japan. Hier ist es nicht selbstverständlich, dass alle Englisch reden.

Wir empfangen das Auto und dokumentieren alle schon vorhandenen Schäden. Dafür nehmen wir uns Zeit und auch dem Vermieter ist es wichtig. Er lässt uns alleine. Unbeobachtet sucht sich so ein Mietwagen besser ab. Wir dürfen sogar noch die Dusche benutzen bevor wir losfahren.

Sachte rollen wir dann vom Hof. In Japan herrscht Linksverkehr und prinzipell ist auch alles etwas kleiner. Das Auto ist kleiner als wir es von anderen Wohnmobilurlauben gewohnt sind. Doch das ist gar nicht so unpraktisch, denn viele Straßen sind sehr schmal und auch Fußwege, auf welche man im Zweifel mal hochfährt, sucht man hier und da vergeblich. Trotzdem läuft es ganz gut an und mit einem Glücksgefühl tief aus der Mitte unseres Körpers rollen wir durch Tokio südwärts. Da wir sonntags angereist sind, nutzen wir den „etwas ruhigeren“ Verkehr um die Stadt direkt zu verlassen. Erstes Ziel soll die Region um den Fuji sein. Wir sind Stunden mit Rausfahrt aus Tokio beschäftigt. Krass groß diese Stadt.

Irgendwann beginnen die Augen dann aber doch so allmählich schwer zu werden, dunkel ist es auch schon und so suchen wir unverzüglich einen sogenannten Michi no Eki. Einen Rastplatz. Und finden diesen hier in Kiyokawa:

erster Rastplatz Michi no Eki

Ganz hinten rechts in der Ecke steht unser dunkelgrüner kleiner Camper. Mit uns stehen ein paar PKW´s. Doch bei unserem ersten Stopp ist uns noch nicht klar, dass selbst viele Japaner diese Rastplätze zum Übernachten benutzen.

Wir sind erst einmal überhaupt erfreut, dass wir es bis hierhin geschafft haben. Der erste Gang zur Toilette lässt uns schmunzeln. Ein Hightechklo mit Podusche. Auf einem kostenlosen Rastplatz. Irre. Und sauber zudem. Wir fühlen uns wohl und nach 3 Wochen wissen wir auch, dass das im Großen und Ganzen so bleiben wird. Ich meine die sauberen Highteckklos auf kostenlosen Rastplätzen mit Podusche. Krass. Also Frauen und Wohnmobilreisende, keine Sorge. Klos gibt es unzählige in Japan. Niemand muss in den Wald pinkeln – tut es bitte auch nicht. Dann wird uns noch lange die Möglichkeit des freien Reisens erhalten bleiben. (….in Neuseeland wird ja mittlerweile sehr stark gegen wildes Campen mit all seinen Müll und Exkrementfolgen gekämpft, schade, dass es so weit kommen muss.)

gut erkennbar – Straßenschild Michi no Eki

Wir fallen in Tiefschlaf und sind wirklich gespannt, wo wir aufwachen, wenn es denn dann hell ist. Das muss dann so gegen 7.00 Uhr gewesen sein, denn die Sonne macht aus unserem Camper so etwas wie eine Backstube. Es hilft nur die Flucht in den Tag.

Wir kochen einen kleinen Instantkaffee. Dazu benutzen wir den Minikocher, welchen wir auf dem Aspahlt aufstellen. Die Wohnmobilstandards in Japan sind doch deutlich anders als in anderen Ländern, doch uns stört das nicht. Eine Banane lag auch noch irgendwo rum, so richtig Hunger hat unser Zeitzonengeplagter Körper eigentlich auch nicht. So ganz genau wissen wir noch nicht, wohin wir heute fahren. Erst mal einfinden. Erstmal zum nächsten Stausee, dann irgendwo in den Supermarkt. Wir kaufen unser erstes leckeres Sushi to go …. und verspeisen es irgendwann später ……

Lunch – Sushi

……booaaaaah …… mit Blick auf den Fuji. Der höchst Berg oder auch Vulkan Japans, der sich mit seinen 3776 Metern leider etwas vor uns versteckt.

Blick auf den Fuji

Dann geht´s weiter. Der erste Besuch einer japanischen Tankstelle steht uns bevor. Immerhin wissen wir, dass wir normales Benzin tanken müssen. Unverkennbar ist dafür der Tankstutzen, der Tankdeckel und die Zapfsäule rot markiert. Eigentlich kann somit nichts schief gehen.

Geht es auch nicht, denn kaum stehen die Räder still, eilt eine wirklich eifrige Tankwartin herbei. Ganz diensbeflissen betankt sie unser Auto. Wir spüren und sehen ihre peinliche Berührtheit, welche sie durch Fleiss gekonnt überspielt. Superfreundlich und mit nicht nur einer Verneigung verabschiedet sie uns.

erste Tankstelle in Japan

Auf dem Schild lesen wir dann nochmal den Einzelpreis pro Liter ….. alles klar, oder?

Preisliste Tankstelle Japan

Dann sind wir wirklich in der Natur. Kleine Ortschaften, eigentlich nur Straße, Bäume und Wasser. Letztendlich finden wir unseren Übernachtungsplatz, den wir dieses Mal gern bezahlen wollen. Circa 20 Euro kostet uns der Stellplatz direkt am Sandstrand. Blick auf den Fuji und gigantische Stille. Das Restaurant hat exakt bis 17.00 Uhr geöffnet. Wir schaffen es also gerade noch so auf eine Udonsuppe. Hat irgendeiner behauptet in Japan tobt ständig das Leben? Hier draußen auf dem Land so gar nicht. Bald gewöhnen wir uns daran und haben fortan immer ein Notessen sowie genug Wasser dabei.

Abends genießen wir die Stimmung am Wasser und natürlich sind wir immer noch müde von der Anreise. Also gehen wir zeitig schlafen und freuen uns auf den nächsten ereignisreichen Tag.

Motosueka See

Unsere Route ab Tokio:

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