Zipfeltour – oder wie wir das Mönchgut auf Rügen erobern

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Lieblingsstrand zwischen Lobbe und Thiessow – 1

Es ist mir natürlich völlig klar, dass du dich gerade wunderst, warum ich diese Tour Zipfeltour nenne. Das ist kein offizieller Begriff, sondern meine liebevolle Wortschöpfung. Durch das große hölzerne Tor, mitten in Baabe fahren wir ins Mönchgut/Rügen ein. So wird die wunderschöne Halbinsel benannt, welche den südöstlichsten Zipfel von Rügen bildet. Nachdem wir diesem einem meiner Lieblingsstrände zwischen Lobbe und Thiessow…

Lieblingsstrand zwischen Lobbe und Thiessow – 2

…einen kurzen Besuch abgestattet haben, fahren wir auf den südlichsten der drei, in den Rügischen Bodden hineinragenden Zipfel. Durch Thiessow, ganz durch bis Klein Zicker. Hier folgt der erste von drei Zipfelstopps. 50 Cent für die Toilette und 2 Euro für 2 Stunden Parkplatz, mehr Möglichkeit hier Geld auszugeben, gibt es Ende Dezember nicht.

Der 1,8 Kilometer kurze Rundweg führt uns zunächst, vorbei an Eigenheimen, die kleine Dörpstrat entlang. Nicht immer war es hier so idyllisch, denn erst weit nach 1989, um genau zu sein, im Oktober 1994 erhielten die ursprünglichen Eigentümer ihre Grundstücke zurück.

Dörpstrat in Klein Zicker

Seit 1967 wurde der Ort als RADAR-Station durch sowjetisches Militär genutzt. Das ursprüngliche Acker- und Weideland, wurde unentgeltlich von der Armee genutzt. Die letzten Streitkräfte verließen 1991 Klein Zicker. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützte später die Eigentümer beim Wiederherstellen des ursprünglichen Zustandes. Heute wandeln vor allem Touristen auf dem neu angelegten und obendrein sehr beliebten Wanderweg. Am spektakulärsten ist auf alle Fälle die Küste unterhalb vom Aussichtspunkt. Eine kleine Treppe führt hinab.

Uferbereich Klein Zicker

Ebenfalls vom Aussichtspunkt führt ein schmaler Pfad die kleine Anhöhe hinauf. Die Aussicht über den Bodden und den Ort – wunderschön.

Blick über den Bodden und Klein Zicker

Über die kleine Anhöhe hinüber und hinten wieder runter, führt der Weg zum kleinen Fischerhafen. Würden weder Möwen kreisen noch Enten schnattern, könnte man glatt glauben, die Zeit sei stehengeblieben.

Klein Zicker

Ist sie aber nicht, in untrüglicher, edler Fischduftnote wartet der kleine Fischerkahn auf seinen nächsten Einsatz und weiter drüben liegt, zumindest heute, verträumt der kleine Holzsteg. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Kleiner Hafen in Klein Zicker

Die weiterführende Dorfstaße ist gesäumt von moderner Ferienwohnungbebauung und typischer, teilweise noch alter Küstenbauweise. Unmittelbar danach stehen wir wieder auf dem Parkplatz. Ein schöner Zipfelstopp.

Klein Zicker

Wir schwingen uns wieder ins Auto und umfahren den Zicker See. Von der Anhöhe in Klein Zicker haben wir schon unser nächstes Ziel auf dem Nachbarzipfel gesichtet. Den Ort Groß Zicker, dieser wurde 1950 nach Gager eingemeindet. Dieser Ort hat uns besonders wegen den Reetgedeckten Häusern gefallen, an vielen stehen Vermietangebote als Ferienwohnung.

Reetdachhaus Groß Zicker

Das wohl berühmteste, zu welchem man über Touristenwegweiser hingelotst wird, ist das uralte Pfarrwitwenhaus. Es zählt mit dem stattlichen Alter von 300 Jahren zu einem der ältesten Häuser Rügens. Nachdem der damals tätige Pfarrer verstarb, wurde dieses Haus gebaut, um die Hinterbliebene abzusichern. Die Pfarrwitwe. Mehrere Frauen, also mehrere Pfarrwitwen, bewohnten dieses Haus, bis man es letztendlich als vorübergehendes Schulgebäude nutzte. Mittlerweile ist das Haus ein Museum, welches aber bei unserem Besuch Ende Dezember geschlossen hatte.

Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

Dafür ist die rund 650 Jahre alte, im gotischen Stil gebaute, Dorfkirche geöffnet.  Doch nicht allein, dass die Tür offen stand, machte den Besuch so angenehm. Ein ganz liebevoll gestaltetes Faltblättchen gibt ein wenig Einblick in die Geschichte des Bauwerkes sowie der Umgebung. Der Innenraum ist wunderschön, wir sind allein und wie man das dann automatisch so macht – schleichen wir auf ganz leisen Sohlen nach vorn. 1100 Christen gehören zur evangelischen Kirchengemeinde. Die Gottesdienste müssen gut sein – zumindest eine Person hat sich mit einem gemütlichen Sitzkissen einen Stammplatz gesichert. Und das, obwohl die eigentlichen Sitzmöbel ohnehin mit Stoff bezogen sind – in welcher Kirche gibt es das schon? Hier – in Groß Zicker. Im Faltblättchen erfahre ich noch, dass die Geschichte sowie der Name des Mönchgutes auf die Zisterzienser-Mönche des Klosters Eldena zurückgehen. Diese waren es, die 1360 das Land Zicker kauften.

Unweigerlich schleicht sich dann der kleine Hunger ein. Unser eigentlicher Plan war, die Fischräuscherei mit Imbiss in Groß Zicker anzusteuern. Die ist super, das wissen wir noch vom Sommer. Doch hier gibt es heute nur Räucherfisch. Keine Fischbrötchen. Da niemand einen nackten geräucherten Aal essen möchte, fahren wir kurzentschlossen nochmal zurück nach Thiessow. Dort hatten wir einen kleinen Imbisswagen am Straßenrand gesehen. Zunächst bin ich ein wenig mufflig, dass die Schlange so lang ist und dass es so lange dauert. Doch das hat seinen berechtigten Grund – die Fischbrötchen werden frisch zubereitet und sind sehr lecker. Alle Daumen hoch und die Werbung kommt aus Überzeugung – völlig unbezahlt.Die Zeit ist nun stattlich gen Dämmerung vorangeschritten. Uns bleibt nur noch ein wenig Zeit, den letzten der 3 Zipfel zu erfahren. Über Middelhagen und Alt-Reddevitz düsen wir die schmale Landzunge bis ganz nach hinten. Kurz vorm Restaurant Havinghof parken wir auf einem kleinen wilden Parkplatz direkt an der Straße. Von hier aus sind es dann nur ein paar hundert Meter zum Aussichtspunkt Reddevitzer Höft (also ganz am Ende der Landzunge). Auch hier können wir über eine kleine Leiter die nur paar Meter hohe aber steile Küste runterklettern.

Aussichtspunkt Reddevitzer Höft / Mönchgut / Rügen

In der Ferne sehen wir die Insel Vilm und links, sowie rechts von uns ist steiniger Strand. Gesäumt von einer Mini-Steilküste. Gebadet wird hier eher nicht. An einer Stelle steht ein Baum genau am Rand. Schon im Sommer war ich fasziniert – und heute wollte ich unbedingt wissen, ob er noch steht. Er steht noch! Freue ich mich – halt noch ein wenig durch Kumpel!

Baum am Rand der Steilküste

Dieser Ort ist einfach wunderschön. Ganz wenig Besucher, stille, unberührte Natur. Nur die nassen Steine sind ein wenig glitschig. Die Fahrt hierher lohnt sich auf alle Fälle. Im Sommer ist die kleine Straße oft voll mit Radfahrern und Wanderern. Die Strecke zwischen den beiden Bodden ist, wenn auch unbeschattet, bestimmt toll aus eigener Kraft zu gehen oder zu fahren. Wir haben bereits zweimal faul – das heißt – die Strecke mit Auto gemacht. Auf dem Rückweg sehen wir schon die schönen Lichter in den wenigen Häusern. Zeit ins Domizil nach Binz zurückzufahren. Für diesen Ausflug haben wir insgesamt circa 5 Stunden gebraucht. Das Mönchgut erreicht man von Binz aus mit dem Auto in einer halben Stunde. Ambitionierte Radfahrer schaffen es bestimmt auch mit dem Radl. Das habe ich allerdings noch nie gemacht.

Wie immer sage ich vielen Dank für´s echte (Gruß nach L.E.) – und für´s virtuelle Mitreisen. Fragen, Wünsche und Anmerkungen schreibt ihr ruhig gleich in die Kommentare.

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