Schnee in Potsdam – ein paar Impressionen

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Ein wunderschönes Winterwochenende mit reichlich Schnee in Potsdam liegt hinter uns. Wer genau wie wir in den Stadtparks umhergestreift ist, hat sicherlich ähnliche Szenen gesehen und gehört – in diesem Beitrag nehme ich dich auf ein paar Impressionen mit. Das sind ein paar schöne Fotos aber auch ein paar aufgeschnappte und erlebte Anekdoten. Was die weiße Pracht so alles aus den Menschen lockt, das war teilweise wirklich sehr unterhaltsam. Aber auch schön. Irgendwie hatte ich das Gefühl, hat der Schnee einfach mal alles bedeckt, was die Leute die letzten Monate so wahnsinnig bedrückt hat. Da war eine Heiterkeit und Leichtigkeit zu spüren, wie ich sie lange nicht erlebt habe.

Wie ging es jetzt also los? Freitag Abend wollte ich fix die Suppe reinholen und stelle fest, dass sich schon eine kleine Schneedecke auf dem Topf gesammelt hat. Irgendwie ein richtiges Highlight hier in diesen Breiten, wenn ich in meiner Küche einen Schnellball formen kann. Da wacht das Kind in mir auf.

Und während in anderen Ecken von Deutschland das durch massive Schmelze bedingte Hochwasser seinen bedrohlichen Lauf nimmt, freuen wir uns stattdessen, dass es die ganze Nacht und überhaupt das erste Mal so richtig kräftig schneit.

Gewohnheitsgemäß schaue ich einfach mal in die Nachbarschaftsapp nebenan.de und wie soll es auch anders sein. Schon wird ein Schneeschieber gesucht, man hätte gerade Bedarf. Auch Schlitten sind hoch im Kurs und ebenso, die Rodelmöglichkeiten in Potsdam. Allein diese Suchanfragen unterstreichen, wie selten es ausreichend Schnee in Potsdam gibt.

Wir starten Samstag Früh zu einem Spaziergang und treten sogar noch nach neun Uhr die erste Spur vorm Haus. Sehr erstaunlich. Alles wirkt sehr verschlafen, doch wirklich nur innerhalb des Wohngebietes. Kaum erreichen wir den Park, rutscht uns schon der erste Vater mit seinem Kind auf dem Schlitten entgegen. Fotosüchtig suchen wir nach schönen Motiven und da geht es auch schon los: Bisschen düster ist es, eine dichte Wolkendecke hängt über der Stadt. Das stört uns aber nicht weiter. Viel mehr freuen wir uns, dass wir nur paar Meter weiter drei Mädchen sehen, die mit ihrem Schlitten den Ruinenberg hinauflaufen. Wir erinnern uns, dass wir als Schulkinder eigentlich immer ohne Eltern im Park Schlitten fahren waren und das dies heute eher eine Seltenheit ist. So verändern sich die Zeiten.

Wir erreichen das Ruinenberg-Ensemble und fast ist es ein Zufall, dass niemand durch das Tor läuft, während ich fotografiere. Hier oben ist die Hölle los. Jogger, Leute mit Hunden und von weiter hinten drängt schon die Rodelkulisse zu uns. Erst jetzt erfahre ich, dass der Ruinenberg einer der angesagten Rodelberge ist. Gibt nicht viele Berge in Potsdam, also nimmt man jede Schräge.

Wir laufen um das Wasserbecken und schon rutscht ein Junge mit seinen Skiern ab ins Gebüsch. Wir schauen hinterher, die Schneise ist kaum breiter als eine Person. Seine Mutter folgt auf dem Schlitten … das ist bestimmt die geheime Todespiste für die ganz Harten.

Was sich jetzt eröffnet gleicht einem Wimmelbild. Der kleine Schneemann wacht über die vielen Rodler, welche sich wagemutig, mit Blick auf das Schloss Sanssouci den Hang hinabstürzen. Es ist wahnsinnig laut, ich kann meinen Augen kaum trauen. Im Normalfall sind hier eher moderat viele Leute unterwegs.

Wir laufen auf der anderen Seite Richtung Schloss runter und hören wie ein Famlienvater berichtet, dass er früher hier mal zwei Meter weit geflogen ist. Und der Krankenwagen, der wäre auch wirklich sehr oft hier gewesen. Im Gewusel werden Erinnerungen wach und schön langsam rutschen die Schlitten den Hang hinab. Wenn es ganz dramatisch wird, fahren sie durch ein Loch. Uuuuuaaaah ….

Neben uns schreit eine junge Dame. Sie wird so halbwegs vom Vater gehalten, dennoch fährt sie laut erklärend, dass sie nicht bremsen könne, mit ihren Skiern ins Gebüsch. Heinz Jankofsky,  hätte seine wahre Freude.

Ich versuche mich so nebenbei an ein paar Fotos. Nahaufnahmen gelingen leider mit dem Smartphone nicht immer so ganz, dennoch bin ich immer ganz scharf auf die Schneehaube, welche hier zum Beispiel die Hagebutte trägt.

Weiter unten bot sich die Gelegenheit, ein Foto ganz ohne Menschen. Gar nicht so leicht an so einem Tag. Einfach eine Impression – danke, dass ich mir dafür den Schlitten ausleihen durfte. So und dann kommt der Oberhammer. Also ich weiß nicht, wie oft wir in der Coronazeit am Schloss Sanssouci vorbeigelaufen sind. Immer und immer wieder kann ich einfach nicht fassen, wie leer es hier ist. Also ich persönlich finde es natürlich total toll und empfinde es auch absolut als Geschenk, dass so erleben zu dürfen. Aber ein Stück weit unheimlich ist es schon, wenn man diesen Ort auch zu normalen touristischen Zeiten kennt. Schau dir das mal an …. Natürlich stromern hier und da ein paar Leute umher, die sind aber wirklich nicht der Rede wert. Wer schon mal hier am Schloss war, weiß, dass links und rechts jeweils schräge Rampen nach unten führen. Dreimal dürft ihr raten, wer sich auch hier todesmutig an den königlichen Badewannen vorbeirutschen lässt? Richtig – Neonfarbene Kinder und laut schreiende Mütter. Eine schrie immer, wenn sie wieder auf einer Schräge war. Dazwischen sind ja immer so kurze Podeste, da war Ruhe. Dann ging es wieder los. Sehr unterhaltsam. Das fanden auch die Leute, die neben mir standen und so kommen wir heute, bei der ganzen Freude über den Schnee viel leichter ins Gespräch.

Es ist überhaupt auffällig, wie viele Menschen lächeln, grüßen oder überhaupt mal wieder Blickkontakt aufnehmen. Das fällt richtig auf.

Doch die Schlittenfahrer sind noch nicht mal das Highlight an dieser Stelle. Jetzt schieben sich noch ein paar Langläufer ins Bild. Immer schön von links nach rechts vor dem Schloss entlang. Kurios. Echt kurios. Unten beim Brunnen, da wo eigentlich immer die Fontäne läuft, kommt sogar ein Langläufer im Skatingschritt vorbei. Als wäre es seine gewohnte Trainingsstrecke, zieht er und einige weitere Kollegen seine Bahn. Langlauf im Park Sanssouci.

Eines der wohl schönsten Fotos kann ich mit etwas Mühe am Fuße der langen Schlosstreppe machen. Immer wieder laufen Menschen ins Bild, die möchte ich natürlich nicht veröffentlichen. Darf ich nicht. Aber dann hat es geklappt. Guck mal: Und auch hier führt dieser tolle Schneemann zum schnellen Smalltalk. Das habe ich so in Potsdam noch selten erlebt – das macht Spaß. Die Treppe war übrigens excellent vom Schnee befreit. Danke dafür an die Mitarbeiter der Schlösserstiftung.

Nun gibt es ein paar Impressionen der Natur – eine ganz dünne Eisschicht zeigt sich auf dem Gewässer.

Und es sind immer wieder die kleinen Dinge, die das Auge auf sich ziehen. Nein, es war nicht unbedingt der junge Mann, der mit freiem Oberkörper über die Wiese und durch den Schnee rannte, sondern viel mehr diese kleinen Figürchen. Ganz still und leise warten sie wohl darauf, dass die Parkskulpturen wieder aus ihren schützenden Holzkisten ausgepackt werden. Und ein klein wenig können sie um die Ecke zum Orangerieschloss lugen.

Schon langsam beginnt der Schnee zu schmelzen, die Skulpuren haben feuchte Rücken, nasse Füße. Stört das wohl die kranzwerfende Victoria? (von August Fischer nach Christian Daniel Rauch)

Der Tag verabschiedet sich mit einem letzten Schneemann. Wir sind uns sicher, dass er uns Glück bringt, denn dort wo seine Augen sind, hat man ihm 2 Centstückchen reingedrückt.

Es soll noch viel besser kommen. Der Sonntag lässt uns mit Sonnenstrahlen wecken. Schnell ist klar, wir gehen direkt wieder los. Die erste Nahaufnahme hat ein wenig besser funktioniert als am Vortag. Die Natur ist recht fotogen an diesem Tag.

Wir finden einen Baum, der noch den letzten weihnachtlichen Schmuck trägt …

Auf dem weiteren Spaziergang habe ich gefühlt viel zu viele Fotos gemacht.

Macht nix …

…hier kommen einfach mal ein paar gesammelte und selbstredende Impressionen. Und es ist eine spannende Mischung. Einerseits ist es klirrend kalt. Andererseits beginnt die Mittagssonne sanft unsere Beine von hinten zu wärmen. Immer wieder bleiben wir stehen und so versuche einfach mal mein Glück – der Baum hat doch bestimmt schon ein wenig Wärme gespeichert?

Hat er!

Herrlich!

Der strahlt so eine schöne Ruhe aus. Am liebsten möchte ich ewig stehenbleiben – aber da wartet noch mein Computer mit einem wichtigen Schreibauftrag … Düsen wir also zurück und finden noch einen letzten sehr kreativen Schneeman.

Guckt mal auf das Schild – die folgenden Worte sind nicht meine, sondern geben nur den Inhalt des Schildes wieder.

1. Scheiß Corona – 1x Hupen

2. Geile Hupen – 2x Hupen

…tja, das war´s heute von mir und ein paar Impressionen. Unsere Runden haben uns über den Ruinenberg, durch Park Sanssouci und durch die Lennésche Feldflur geführt.

Falls du zufälligerweise mal in Potsdam bist, gehen wir gern mit dir diese Runden. Meld´ dich einfach und ansonsten schau bald wieder hier rein. Den nächsten #tripptipp habe ich gedanklich schon am Start! Sei gespannt.

Liebe Grüße aus Potsdam genau dorthin, wo du gerade sitzt.

Autorin: Sandra Hintringer

 

 

 

 

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