Potsdam dehnt sich aus – ein Besuch der Speicherstadt

Reading Time: 4 minutes

Havel Potsdam

In der Osteopathie sind wir immer sehr zufrieden, wenn sich etwas ausdehnt. Doch ist das auch städtisch betrachtet so? Im heutigen Blogbeitrag, lasse ich ein wenig meine Gedanken über die Expansion von Potsdam schweifen. Auch wir gehören hier zu den soganennten „Zugezogenen“. Wir fühlen uns sehr wohl in dieser von herrschaftlichen Gärten und Wasser durchzogenen Stadt, doch irgendwie fängt genau diese Idylle an, sich unangenehm aufzublähen, grad als ob sie an einigen Stellen fast bersten möchte. Einige Stadtteile entstehen komplett neu, einige werden wiederbelebt – Altes wird aufgehübscht und Neues, teils viel diskutiert, hinzugebaut. Immer wieder staune ich, wo sich die nächste Baulücke auftut, noch viel mehr staune ich über die endlosen Autoschlangen, welche sich vor allem im Berufsverkehr durch die Stadt bewegen.

Unser kleiner Ausflug führt uns in die unmittelbare Nachbarschaft vom Hauptbahnhof Potsdam. Am Fuße des Brauhausberges und direkt am Ufer der Havel gelegen, befindet sich die sogenannte und noch immer in der Entwicklung befindliche Speicherstadt. Unlängst wurde hier auf einer Baustelle der 194. Weltkriegssprengkörper von Potsdam geborgen. Über die vielbefahrene Leipziger Straße erreichen wir die moderne Wohnsiedlung. Wer schon mal die Autoabfahrt Michendorf genommen hat, hat mit Sicherheit fast unbemerkt diesen Stadtteil via der Leipziger Straße durchfahren. Auf der einen Seite hoch aufragender moderner Chic, auf der anderen Seite der Blick in eine scheinbar vergessene Vergangenheit.Genau diese Straßenflucht der Leipziger Straße ist es, die eine Frage in mir immer wieder aufkommen lässt? Wer mag wohl hier wohnen? Wann immer ich hierher komme, sind die Straßen fast menschenleer. Hier rollt fix ein Tiefgaragentor runter, dort sehe ich noch die Weihnachtsdeko im Fenster und so dann und wann schlendert auch noch weiterer Besucher vorbei. Oft ist der Wind stärker als an allen anderen Stellen in der Stadt, zumindest in meinem Gefühl und das Tuckern der Motorboote? Geschenkt.

Wir streifen umher und so quierlig die Region um den Bahnhof ist, hier wirkt alles ziemlich ruhig. Eine Gewerbeeinheit im Erdgeschoß wartet seit Monaten geduldig auf Mieter und der kleine Spielplatz, hinter den Häusern, animiert nicht nur Kinder zur Bewegung.

Foto: Marcus Kahl / www.fotokahl.de

Bis 2020 werden hier noch weitere Wohnbauten und wohl auch ein Hotel der Hamburger „niu“-Kette entstehen. In dieses wird die Potsdamer Spielbank später umziehen. Und genau wie am Griebnitzsee, bleibt der Uferweg dicht. Nur hier und da führt der Weg bis ganz ans Ufer heran. Diese Standorte bieten einen wunderschönen Ausblick auf die Havel, die Havelbucht und die gegenüberliegenden Stadtteile. (siehe Titelbild)

Dieses Mal haben wir die Speicherstadt in Potsdam besucht.

Übrigens – eine Luftbildaufnahme kannst Du HIER sehen. Gib einfach „Speicherstadt Potsdam“ in die Suchleiste auf der Seite. Doch auch wenn wir durch die anderen Neubaugebiete von Potsdam gehen, zeigt sich ein ähnlich dichtes, gesichtsloses Bild. Wohnbauten, wenig Leben, noch mehr Baustellen, steigende Mieten und hier und da sogar Leerstand. Warum wohl? Mangel an Wohnungssuchenden gibt es im Moment in Potsdam wohl eher nicht.

Und jetzt mal in Zahlen.

2004 – das ist das Jahr, in welchem ich von Bayern nach Berlin zog und in Potsdam begann zu arbeiten – verzeichnete die Landeshauptstadt eine Bevölkerungszahl von 145 Tausend Einwohnern. (Quelle: Wikipedia)

Im Jahr 2017 waren es bereits 30.000 mehr. Die Stadt ist begehrt, der Zuzug ungebremst, die Nähe zu Berlin und die hohe Lebensqualität locken die Menschen zahlreich an. Es lässt sich nicht leugnen. Im Moment leben wir in Potsdam bedeutend ruhiger als zuvor in Berlin – rausgerechnet die tägliche 2 Kilometer Radfahrt zur Praxis, auf welcher ich nicht selten mindestens 1x umgefahren werde.(…meistens bremse ich – sonst könnte ich ja diesen Beitrag jetzt nicht getippt haben). Auch Marcus hat seinen täglichen Spaß, wenn er wie so viele, morgens quer durch Potsdam nach Berlin fahren muss.

Müsste ich resümieren – würde ich heute nicht noch einmal so unbedarft in eine Wohnung einziehen. Damals war es mir wichtig, möglichst schnell die weite Fahrstrecke von Berlin nach Potsdam zu minimieren. Mittlerweile empfehle ich jedem – der nach Potsdam zuziehen möchte – genau zu schauen, wie die Verkehrswege sein werden. Die Ermüdung geschieht schleichend – durch meine Einsicht in viele Privatleben – kann ich nur sagen, sorgt gut für Euch!

Und hier noch eine Impression aus der Speicherstadt – Alt – Trifft Modern, der denkmalgeschützte, 1688 erbaute Persiusspeicher. Ursprünglich war er Teil des Proviantamtes, zu DDR-Zeiten nutzte der VEB Backwarenkombinat das Gebäude.

Speicherstadt Potsdam / „Persiusspeicher“ (denkmalgeschützt)

Vielen Dank wie immer für´s virtuelle Mitreisen. Falls du noch Zahlen, Fakten oder Anekdoten zur Speicherstadt hast – freue ich mich, als wissbegierige Zugezogene über neues altes Wissen.

Das könnte Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.