Panometer Leipzig – Carolas Garten im 360° Panorama

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Foto: © asisi / Tom Schulze (diese Katze ist der Knüller – egal von wo man schaut, sie guckt einen immer an)

Besondere Tage, besondere Begegnungen, besondere Dinge – manchmal ist das Leben so ganz besonders schön. Wie meins vor paar Tagen. Ein ganz spezielles Datum brachte mich für ein paar Stunden in meine Heimatstadt Leipzig und wie es der Zufall so will, stand der Besuch des Panometers auf dem Plan. Geh ich doch mal mit, dachte ich mir….

Das Panometer Leipzig ist ein ehemaliger Gasbehälter. Oft werden diese Gasometer genannt, doch das ist nicht ganz korrekt. Der Gasometer ist eigentlich nur die Füllstandsanzeige, welche riesig groß außen am Gebäude angebracht war. Am Panometer Leipzig kann man diese Anzeige auch heute noch rechts vom Haupteingang sehen.

Panometer Leipzig                                       (Foto: H.-J. Hintringer)

Gasometer am Panometer Leipzig           (Foto: H.-J. Hintringer)

 

 

 

 

 

 

Unkompliziert haben wir auf dem kostenfreien Parkplatz ein Plätzchen gefunden und stehen also unmittelbar vor diesem 1910 gebauten, beeindruckenden Gebäude. An seiner höchsten Stelle misst es 49,4 Meter. Der Außendurchmesser misst knapp 57 Meter und das gesamte Fassungsvermögen beläuft sich auf 54 000 Kubikmeter Gas. Nur schwer vorzustellen.

Leichter fällt mir, diesen Raum als Ausstellungsraum wahrzunehmen. Durch ein paar Stellwände gelangen wir in die einleitende Galerie, welche um die 100 Exponate umfasst. Fotos, Acrylmalerei, Zeichnungen und auch Aquarelle. Hier wird deutlich, wie sich Asisi dem Thema der Ausstellung angenähert hat. Die Wände sind in schwarz, zumindest dunkel gehalten, hier und da lugen ein paar rote Backsteine durch. Der alte Industriecharme zieht noch immer. Mich zumindest.


 Foto: © asisi / Tom Schulze

Auf einer ersten Schautafel erfahren wir, dass Carola eine ehemalige Angestellte im Panometer war. 2015 ist sie leider verstorben, doch bis dahin war sie mit voller Hingabe und Geduld in ihrem Job tätig. Man vermutet, dass sie sich die Kraft dafür in ihrem Garten holte. Die letzten 3 Jahre verbrachte der Künstler Yadegar Asisi viele Stunden in diesem Garten und versteht ihn als Metapher für das menschliche Werden, Wachsen und Vergehen. Dann lässt er die Aussellung „Carolas Garten“ entstehen. Ein Garten, in der das Wunder des Lebens aber auch die Gefährdung des wundervollen Paradieses deutlich wird.

Yadegar Asisi / Foto: © asisi

Eine Schulklasse wird an einem Schaubild einer Wiese vorbeigeführt. Es geht um Bienen und die Leiterin sagt fragend in die Klasse: „Ihr esst doch alle gern Honig, oder?“ …. ein mehrfaches Neeeeeeein ist zu hören. Uuuups. Da hätte sie glaube ich gern was anderes gehört. Wir schmunzeln und lassen die weiteren Bilder auf uns wirken. Weiter hinten wird ein Dokumentarfilm gezeigt, dafür reicht unsere Zeit heute leider nicht. Ein Grund, wiederzukommen.

Doch die Geräusche aus dem Hauptraum ziehen uns magisch an. Sanfte Musik, eigens komponiert von Eric Babak. Wir treten ein – überwältigend groß, hoch, doch noch können wir nicht so viel erkennen. Gerade ist es Nacht. Ich war bisher nur in 3 Ausstellungen von Asisi. Doch Tag und Nachtzyklen ziehen sich wie ein roter Faden durch. Dabei sind wir doch so neugierig – lass es bitte schnell Tag werden. In der Zwischenzeit steigen wir den 15 Meter hohen Besucherturm schon mal hoch. (die Treppe dazu ist beleuchtet). Die Vögel beginnen zu zwitschern, der Hahn kräht und wir werden ihn heute noch oft krähen hören. (hier mal der Trailer bei Youtube – mit Hahn) Es ist Tag und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Magisch anmutende Farben, mein Auge sucht und erholt sich zugleich.

Foto: © asisi / Tom Schulze

Die Details auf dem Panorama ziehen und halten unseren Blick gut über eine Stunde. Tagsüber suchen wir das Gemälde mit den Augen ab, nachts switchen wir auf unsere Ohren. Frösche quaken, irgendwo sowas wie Donnergrollen und dann werden noch ein paar Zeilen eines Gedichtes gesprochen …. (den vollständigen Text gebe ich euch mal unter dem Beitrag) …und irgendwann kräht wieder der Hahn. Auf allen 3 Etagen des Besucherturms gehen wir rundherum. Immer wieder zeigen sich neue Details im Bild, welches wirklich aufregend und natürlich in künstlerischer Freiheit gestaltet ist. Überdimensionierte Größenverhältnisse oder Umstände, welche so in der Natur nie vorkommen, sind geschickt kombiniert. Willst Du mal eine 25 Meter große Honigbiene sehen? Bei Asisi geht das… schau dir für die Relation auf dem Bild einfach mal die Biene und das kleine Kind an. Irre gemacht.

Honigbiene beim Bestäuben einer Kamillenblüte … die Ameise ist auch nicht zu verachten 🙂
Foto:  © asisi / Tom Schulze

Jetzt mal noch paar Fakten. Dieses Rundgemälde zählt als eines der derzeit weltgrößten im Maßstab 1:1 und hat eine Bildfläche von 3200 Quadratmeter. Die Leinwände sind 32 Meter hoch. Um es noch genauer zu machen – die Bilddatei umfasst wohl 37 Gigabyte, unzählige Bildebenen wurden letztendlich auf 37 Stoffbahnen aufgebracht.

Immer wieder zeigen wir mit dem Finger irgendwohin, um sicherzustellen, dass die anderen das versteckte Detail auch gesehen haben. Hier kraxelt eine Zecke am Blütenstengel empor, da lugt eine kleine Spielzeugharke unter dem Grün hervor und weiter unten, da wo die Zerstörung des Paradieses dargestellt ist – liegt zwischen viel Kompost und Müll ein Kadaver, aus welchem die Maden krabbeln. Doch in allererster Linie schweifen unsere Augen oben herum – in den wahren Wundern des Lebens.

Foto:  © asisi / Tom Schulze

Irgendwann schnalle ich, der Mohn blüht so schön – wir haben mitten im Sommer. Ach halt. Weiter hinten blüht ein Baum – da ist der Frühling. Achso – und da hinten ist Herbst, da färben sich die Blätter….ja – ich schnalle, dass das die Jahreszeiten sind. Doch wo ist der Winder? Ich kann ihn nicht finden… erst später, als wir die Bilder am Computer anschauen, haben wir einen richtigen krassen AHA-Effekt.

Und deswegen machen wir mal einen kleinen Blogquiz. Wer von euch war oder geht noch in die Ausstellung und findet den Winter? Die Lösung kommentiert ihr bitte unter diesen Beitrag in die Kommentare – dem Gewinner winkt eine schöne kleine Überraschung aus Potsdam.

Dann kommt die Schulklasse hoch. Natürlich sind alle mit einem Handy bewaffnet und ich luge mal rüber, um zu gucken, was die so fotografieren… und …gestehe – klaue mir die Idee eines Jungen und zoome die Augenpartie der Katze ran. Wow …. da offenbart sich noch was … doch was, auch das verrate ich nicht, weil es einfach so Hammer ist …. ich finde keine weiteren Worte, um meiner Begeisterung auszudrücken. Wenn du kein Fotoapparat oder Handy zum zoomen hast – am Eingang kann man Ferngläser ausleihen. Dieses Panorama lohnt sich total, fahrt da ruhig mal hin. Von Potsdam aus war ich mit dem Auto in ungefähr 2 Stunden da.

Foto:  © asisi / Tom Schulze

Kernfrage, die Asisi mit dieser Ausstellung thematisieren möchte, ist:

„Wer sind wir, woher kommen wir und welche Dinge sind wesentlich im Leben eines Menschen?“

Die Antworten findest du im Gemälde und in deinen Gedanken.

Organisatorisches zum Panometerbesuch Leipzig:

Adresse:

Panometer Leipzig
Richard-Lehmann-Straße 114
04275 Leipzig

Öffnungszeiten: Mo – Fr: 10-17.00 Uhr – Sa/So/Feiertag: 10-18.00 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 11,50 Euro / Ermäßigt: 10,00 Euro

Ich hatte Glück und wurde von meinen Eltern eingeladen. Vielen Dank dafür, dass war eine tolle Idee!

Und hier noch das Gedicht „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud,
in dieser schönen Sommerzeit
an deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärten Zier,
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.
2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissen und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder.
Die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder,
Berg, Hügel, Tal und Felder.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus,
der Storch baut und bewohnt sein Haus,
das Schwälblein speist die Jungen.
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh,
ist froh und kommt aus seiner Höh
in’s tiefe Gras gesprungen,
in’s tiefe Gras gesprungen.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand
und malen sich und ihren Rand
mit schattenreichen Myrten.
Die Wiesen liegen hart dabei
und klingen ganz vom Lustgeschrei
der Schaf‘ und ihrer Hirten,
der Schaf‘ und ihrer Hirten.

6. Die unverdroßne Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise.
Des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk‘ und Kraft
in seinem schwachen Reise,
in seinem schwachen Reise.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt;
darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte
des, der so überflüssig labt
und mit so manchem Gut begabt
das menschliche Gemüte,
das menschliche Gemüte.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn;
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

9. Ach, denk ich, bist Du hier so schön
und läßt Du’s uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden:
Was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem festen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden,
und güldnen Schlosse werden?

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein,
wird wohl in Christi Garten sein!
Wie muss es da wohl klingen,
da so viel tausend Seraphim
mit unverdrossnem Mund und Stimm
ihr Halleluja singen,
ihr Halleluja singen.

11. Oh wär ich da! O stünd ich schon,
ach süßer Gott, vor Deinem Thron
und trüge meine Palmen!
So wollt ich nach der Engel Weis‘
erhöhen Deines Namens Preis,
mit tausend schönen Psalmen,
mit tausend schönen Psalmen.

12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch
hier trage dieses Leibes Joch,
auch nicht gar stille schweigen.
Mein Herze soll sich fort und fort
an diesem und an allem Ort
zu Deinem Lobe neigen,
zu Deinem Lobe neigen.

13. Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
daß ich Dir stetig blühe;
gib, daß der Sommer Deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrücht erziehe,
viel Glaubensfrücht erziehe!

14. Mach in mir Deinem Geiste Raum,
daß ich Dir werd ein guter Baum,
und laß mich Wurzel treiben;
verleihe, daß zu Deinem Ruhm
ich Deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben,
und Pflanze möge bleiben.

15. Erwähle mich zum Paradeis,
und laß mich bis zur letzten Reis
an Leib und Seele grünen!
So will ich Dir und Deiner Ehr
allein und sonsten keinem mehr
hier und dort ewig dienen,
hier und dort ewig dienen.

Autor: Paul Gerhardt (1607 – 1676)

 

 

 

 

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