Museum Barberini Potsdam – Die Ausstellung „Orte“ von Monet

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„Monet. Orte“  22.02.2020 – bis 19.07.2020
Museum Barberini in Potsdam.
Foto: David von Becker

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden und so hatte ich das Glück, dass meine Schwester Anja (ihr kennt sie von einigen Gastartikeln hier auf dem Blog) sich für eine Sache bei mir bedanken wollte. Außerdem hatte sie wohl den richtigen Moment und auch Ausdauer bewiesen – jedenfalls hat sie online Karten für die hochgelobte und stets ausgebuchte Ausstellung „Orte“ des Impressionisten Monet (1840 – 1926) im Museum Barberini hier bei uns in Potsdam ergattert. Danke nochmal dafür!

Das Museum Barberini öffnete erstmals Januar 2017 seine Pforten und begeistert seither mit wechselnden Ausstellungen. Wir, als in Potsdam lebende und leibhaftige Kulturbanausen, haben es seitdem noch nie geschafft – diesem herrschaftlichen, am Potsdamer Neuen Markt befindlichen Haus, einen Besuch abzustatten. Man kann ja schließlich nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Aber nun, so kurz vor Ende der Monetausstellung sollte es wohl doch mal sein.

Museum Barberini Frontansicht, Photo: Helge Mundt, © Museum Barberini

Keine Selbstverständlichkeit, denn seit der coronabedingten eingeschränkten Wiedereröffnung, darf nur ein Bruchteil der eigentlichen Besucher ins Haus. Wir bekommen auf dem Ticket einen Zeitslot von 15 Minuten, in dem wir eintreten dürfen.

Mir gefällt es sehr gut, dass wir viel zu früh am Neuen Markt ankommen. So bleibt ein wenig Zeit, die sonntägliche und morgendliche Stadtstimmung (10.15 Uhr) einzufangen. In erster Linie streben Leute über den Platz, die ebenfalls in die Ausstellung wollen. Gegenüber, in der Nikolaikirche, läuft ein Gottesdienst und wir schlendern nochmal kurz in den Hof vom ebenfalls hier befindlichen Brandenburger Landtag.

Direkt vor dem Eingang des Museums wartet eine Minischlange. Der Schwung, der Punkt 10.15 Uhr rein darf. Das im neoklassizistischen Barockstil rekonstruierte Haus schluckt die Bildungswilligen in nur 3 Minuten, dann rücken wir nach. Zunächst müssen wir an Stehtischen Name, Adresse, Telefonnummer auf kleine Zettelchen eintragen. Dann dürfen auch wir hinein.

Gefühlt gibt es mehr Servicepersonal als Gäste. Alle sind ausnahmslos sehr freundlich. Zwei Leute vor dem Eingang kontrollieren das Ticket, eine Frau wartet direkt nach der Drehtür auf uns. Sie deutet uns, dass wir die Adresszettelchen nun in die bereitgestellte Box werfen dürfen. Dann geht es weiter an einem Schalter vorbei – hier gibt es eigentlich die Tickets und soweit ich das beurteilen kann, könnte man hier auch einen Mund-Nase-Schutz bekommen. Denn natürlich ist das Tragen eines solchen in der Ausstellung Pflicht. In der ganzen Zeit, wo wir drin waren, halten sich alle Besucher, bis auf zwei aus der Maske lugende Nasen, ausnahmslos daran.

Der nächste Wegposten schickt mich zur Garderobe. Meine Handtasche muss abgegeben werden. Die Garderobe ist im Eintrittspreis inkludiert und es geht wirklich alles angenehm zügig. Das Museum ist barrierefrei.

So … dann sind wohl endlich alle Formalitäten geklärt und wir dürfen den auf dem Boden aufgeklebten Pfeilen folgen. Vor jedem Bild sind Bodenmarkierungen angebracht, damit die Besucher sich auf keinen Fall zu nahe kommen. Auf dem Punkt stehen muss noch geübt werden. Mit Einigen.

Claude Monet: Getreideschober, 1890, Öl auf Leinwand, 73 x 92,5 cm, Hasso Plattner Foundation. Photo: Lutz Bertram, Berlin

12 thematische, den Wirkungsorten des Künstlers entsprechende Räume, liegen nun vor uns. Und weil ich sie so toll fand – hier gleich mal ein Bild der berühmten Getreideschober.

Grundsätzlich startet der Rundgang in der Normandie und wir arbeiten uns in den nächsten wahrhaftigen drei Stunden durch Paris, Argenteuil, Seine-Landschaften, London, Vetheuil. Feiern kurz bei Zaandam … so ein niederländisches Windmühlendörfchen haben wir im Rahmen unseres Amsterdamtrips auch besucht. Fast rutscht mir raus – war der Monet eigentlich auch nichts anderes als ein Reiseblogger – eben nur mit Pinsel und Staffelei.

Weiter geht es nach Giverny, Riviera, an die Küste des Atlantiks, auch nach Venedig und schlussendlich, der 12. Themenraum, in seinen privaten Garten, wo er sich seinen berühmten Seerosenteich anlegte. Ein ganzer Raum voller Seerosenbilder. Übrigens fand ich die Rahmen der Gemälde unheimlich schön.

„Monet. Orte“
22. Februar bis 1. Juni 2020
Museum Barberini in Potsdam.
Foto: David von Becker

Über 100 in Pastell getupfte und gestrichene Bilder saugen während der Ausstellung unseren Blick. Die Werkschau umfasst recht spektakulär all seine Schaffensphasen. Einige Bilder lassen wir uns über den Audio-Guide erklären. Da im Museum derzeit keine Audio-Guides verliehen werden, haben wir uns die Barberini-App auf unser Handy geladen und uns Ohrhörer mitgenommen. Die App kann man auch unabhängig von einem Besuch nutzen. Darin gibt es eine Übersicht über aktuelle, kommende und vergangene Ausstellungen. 360° Grad Rundgang, eins zwei Videos, den Audioguide, der auch außerhalb des Museums funktioniert und natürlich allgemeine Infos wie Öffnungszeiten und Gebäudeplan. Im Haus gibt es W-lan, welches ohne Passwort als Gast genutzt werden darf. Wirklich toll gelöst.

Claude Monet, Unter den Pappeln, 1887, Öl auf Leinwand, 73 x 92 cm, Privatsammlung

Insgesamt ist die Monet-Ausstellung eine wunderschöne und interessante Ausstellung. Für den Künstler war der Ort, den er darstellte bedeutend. Da wo spezielles Licht auf landschaftliche Gegebenheiten traf ging er dem Wechselspiel atmosphärischer Phänomene nach.

Sehr vielseitige Motive halten unsere Aufmerksamkeit an den Wänden. Sind es am Anfang einfach Waldwege, die wir selbst wohl hundertfach so fotografiert haben – folgen bunte Fischerboote, Küstenorte mit elegant gekleideten Menschen und dann wieder die Weite des Wassers der Seine. Monet gestaltete in Serie. Die Seine von der Ferne, ein bisschen näher dran und ganz nah am Ufer … schlussendlich schnalle ich endlich eines der Hauptanliegen des Impressionismus (wie gesagt – Kulturbanause) … es geht um die Gegenüberstellung kontrastierender Farben. Wie gut – dass die Bilder mit solchen Informationen beschriftet sind.

Ein klein wenig sticht das in Paris entstandene Bild „Der Bahnhof Seint Lazare“ aus den satten, naturgetränkten Gemälden hervor. Leider steht dieses Bild im Pressematerial vom Museum nicht zur Verfügung – aber unter diesem Link könnt ihr euch die ebenfalls in Serie gemalten Bilder anschauen. Unter anderem mit diesem Werk bekennen sich Impressionisten wie Monet zum technischen Fortschritt. Die Ausdehnung des Eisenbahnnetzes in Frankreich ist an einer Wand in der Ausstellung sehr schön dargestellt.  https://www.google.de/search?q=der+bahnhof+saint+lazare+monet&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwiqlYeApsjqAhXHzaQKHQOMBq8Q_AUoAXoECBUQAw&biw=1056&bih=477

Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne, 1903, Öl auf Leinwand, 63,5 x 98,4 cm, Denver Art Museum

Dann folgen wieder goldgelbe Felder unter blauem Himmel, wunderschön blühende Bäume aber auch die Londoner Waterloo-Bridge. Vor allem in die eher düsteren Bilder muss ich mich eine ganze Weile reingucken, bis ich endlich was sehe.

Irgendwie habe ich noch in Erinnerung, dass Monet den Londoner, in verschiedenen Farben schimmernden Nebel mochte.

 

 

 

Claude Monet, Seerosen, 1903, Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm, The Dayton Art Institute, Ohio

Wir müssen ein wenig passen als dann verbal das „Feste“ im „Flüssigen“ vergeht … Eisschollen bestimmen das Bild und in den Interpretationen spricht man von weiß in weiß – und weiß, dass das die Vorläufer der Seerosen sind …. aha.

Ich nenne es mal die kunstverzerrte Sprache, welche uns wirklich nicht liegt. Und erlaube mir heimlich zu denken – war es wirklich so oder was wollte der Künstler uns eigentlich damit sagen?

Wirklich sehr sehr schade, dass bei Weitem nicht alle hineindurften, die gern hineingegangen wären. Das sorgt übrigens vor allem unter den Potsdamer Jahreskarteninhabern für leichten Ärger – trotz Jahreskarte kein Anrecht. Und auch Anjas Gutschein, den ich ihr vor einiger Zeit geschenkt habe, konnte im Rahmen der Online-Buchung nicht eingelöst werden. Das sind so die kleinen Haken, die wohl jedes Geschäft hat. Nachbesserung in diesen 2 Punkten wäre extrem besucherfreundlich.

Die Ausstellung gipfelt mit einem kurzen Videoschnipsel in schwarz-weiß. Monet beim Tupfen am Teich. Und während ich so auf einer Bank sitze und dem Video folge, pflanzt sich ein älterer Herr aber sowas von direkt neben mich …

Nun wird es Zeit, die kleine, im Museum integrierte Gastronomie aufzusuchen. Bei einem Pott Kaffee, Quiche und Ofenkartoffel lassen wir den Blick auf echte Seerosen, die Freundschaftsinsel und den Wasserarm der Havel „Alte Fahrt“ schweifen.

Möchtest du auch mal ins Museum Barberini?

Alle wichtigen Informationen findest du natürlich auf der Webseite des Hauses.

Leider stehen die Bilder zur Ausstellung nur bis 6 Wochen nach Ausstellungsende zur Verwendung zur Verfügung. Wundere dich also bitte nicht, wenn ich Ende August den Beitrag abändere.

Und wie oben schon geschrieben – die Karten haben wir geschenkt bekommen, also selbst finanziert. Wir wurden für diese umfangreiche Schilderung nicht beauftragt – und weisen vorsichtshalber dennoch mal auf Werbung hin. Könnte ja sein, ihr habt jetzt Lust bekommen 😉

 

 

 

 

2 thoughts on “Museum Barberini Potsdam – Die Ausstellung „Orte“ von Monet

  1. Eine sehr gelungene Momentaufnahme dieser besonderen Ausstellung von Claude Monet im Barberini in Potsdam.

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