Abstecher von der A9 zum Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth

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Öffnungszeiten Grenzübergang Mödlareuth

Mödlareuth ist ein beschauliches und zugleich massiv spannendes Dorf an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Heute leben in diesem Ort circa 50 Einwohner, getroffen haben wir nur die Kassiererin vom Museum.

Das Dorf hat zwei Bürgermeister, zwei Löschteiche – vor allem aber ist dieser kleine Ort für seine bewegende Grenzgeschichte berühmt geworden.

…niemand hatte, wie das Zitat von Walter Ulbricht uns lehrt, die Absicht – eine Mauer zu errichten. Doch es sollte anders kommen. Unlängst wurden die Ländereien aufgeteilt, die naturgegebene Verwaltungsgrenze bildete der kleine Tannbach. Die Einwohner waren es gewöhnt – in Bayern zu Schule und in Thüringen zum Gottesdienst zu gehen.

So groß die Freude wohl dann über das Ende des zweiten Weltkrieges gewesen sein muss, hier vor Ort bedeutete es eine neue, von den Alliierten festgelegte Demarkationslinie, welche genau durch die Mitte des Tannbaches verlief. Mödlareuth Ost und West.

Der Tannbach / Grenzfluss in Mödlareuth

Unvorstellbar, denn ganz ehrlich – um über diesen Bach zu springen – hätte ich nicht mal Anlauf nehmen müssen. Der Ort wurde also in Ost und West geteilt.

Entschlossen machen wir nun diesen Abstecher von der A9 – nach Mödlareuth, nur wenige Minuten dauert die Fahrt von der Autobahn und stehen kurz darauf auf dieser kleinen, den Minifluß überspannenden Brücke. Ein seltsames Gefühl beschleicht mich.

Dabei ist heute ein wundervoller Tag, die Sonne lacht und der Wind hat bestimmt mehrfach versucht, die zumindest für mich traurige Geschichte der Teilung und damit fürchterlicher familiärer Trennungen wegzupusten.

Logo des Museums

Doch diese Geschichte wollen die Mödlareuther gar nicht weggepustet haben. Sie wollen und haben sie gern konserviert.

In ihrem Museum für Deutsch-Deutsche Geschichte. Es gibt einen riesige kostenfreien Parkplatz und das Museum besteht aus einem Freigelände, dem Hauptgebäude mit Kasse und Kinoräumen sowie der Fahrzeughalle. Für 3 Euro jeder sind wir gleich drin. Können auch kaum mal rumgucken – direkt verfrachtet uns die Kassiererin in einen Kinosaal.

Alltag an der Grenze

Da wir nicht so richtig wussten, was uns erwartet, wollen wir auch nicht widersprechen.

Da sitzen wir also nun – allein – im großen, bestimmt 40 Leute fassenden Kinosaal und schauen den Film: „Alltag an der Grenze“.

Sagenhaft und nochmal: unglaublich traurig und irgendwie aber auch wieder normal. Normal für damals. Auch im Film scheint die Sonne, die Leute gehen ihrer Geschäftigkeit, dem Leben an der Grenze nach – zu gern möchte ich reingehen in den Film, möchte sagen: Ihr verdammten Helden, ihr habt es ausgehalten, habt es geschafft, seid nicht gebrochen (oder doch?) …was auch immer es war …. es ist vorbei. Es ist wirklich vorbei.

Telefonanlage

Nach dem 20 minütigem Film gehen wir direkt in die Fahrzeughalle, irre. Da müsst ihr mal hin. Trabi, Wartburg, Armeefahrzeuge, Polizeifahrzeuge, ein Hubschrauber, eine Gulaschkanone. Alles Originale – die ich persönlich nur schemenhaft bis gar nicht erinnerte.

Doch noch viel mehr lockt uns das Freigelände mit vielen ebenfalls originalen Details.

Wie hier auf dem Foto – ein Fernsprecher und ein Warnschild.

 

 

 

 

Wachturm an der innerdeutschen Grenze / Mödlareuth

Für mich am faszinierendsten, sind der Teilabschnitt der ehemaligen Mauer, sowie die dazugehörigen Grenztürme. Zunächst waren sie noch nicht nötig, durfte doch die Grenze noch mit Passierschein übertreten werden.

Doch Im Mai 1952 wurde die endgütlige Teilung Deutschlands beschlossen und damit ein mehrere Meter breiter Grenzstreifen sowie nach und nach eine undurchdringliche Sperrzone errichtet, in welcher von Anfang an Schießbefehl herrschte.

Bereits ebenfalls 1952 kam es zu Zwangsumsiedlungen z.b. unter dem Arbeitstitel: „Ungeziefer“ mussten Menschen von heute auf morgen ihr jahrelang mühevoll aufgebautes und lieb gewonnenes zu Hause verlassen.

Hinauf auf den Wachturm / Mödlareuth

Die spielerische Gestaltung der Ausstellung nimmt eindeutig was von der Schwere der Thematik.

Ist doch klar, dass wir auf einen Wachturm hochklettern, wo hat man schon mal die Möglichkeit?

Der Geruch der Eisenstangen errinnert mich sehr an ostdeutsche Klettergerüste, es geht senkrecht hoch, glatt habe ich die Leiter ein wenig unterschätzt.

 

 

 

 

Tür in der Mauer

Betonmauer, Hundelaufanlage, Bunker, Eisenzaun – aus allernächster Nähe können wir uns unangezweifelt von der Undurchdringbarkeit und Dimension dieser Grenzanlage überzeugen. Circa 700 Meter lang war die Betonmauer hier.

Ich ziehe meinen Hut vor allem vor dem Mut der Menschen, die es dennoch versucht zu haben.

Hier in Mödlareuth ist sogar ein Fluchtversuch geglückt. Ein Mann parkt sein Autso sehr nah an der Mauer, stellt eine Leiter auf sein Auto – klettert drüber und überlebt, weil die später dafür abgestraften Grenzer zögern. Zögern, von der Waffe Gebrauch zu machen. Man man man.

 

 

An der Mauer

Klar machen wir auch Fotos – und na klar gucke ich in den Westen. Gesagt getan – und schon gleich merke ich, nein – ich kann und will dieser meinen Ostvergangenheit nicht den Rücken kehren. Seltsames Gefühl an dieser Stelle.

Es ist ein Teil meines Lebens. Mit diesem Bewusstsein lehne ich mich an die Mauer und blinzle ins Sonnenlicht. Die Geschichte der Teilung hat auch in meinem Leben Spuren hinterlassen – dennoch – ich habe mehr als Glück gehabt. Größer könnte die Freiheit nicht sein, welche ich zur Zeit leben darf.

Grenze …

Die Ausstellung fasziniert auf alle Fälle – mich persönlich hat sie auf alle Fälle auch zum Nachdenken angeregt.

Hier ist nochmal der Irrsinn zu sehen – der Minibach, Tannbach – die Grenze. Wie müssen sich die Menschen nur gefühlt haben.

 

 

 

Uns lassen sie heute jedenfalls ohne Probleme rein – und auch wieder raus. Auch an dieser Stelle verneigen wir uns ehrfürchtig vor der Geschichte, vor den Menschen, welche Teil dieser Geschichte waren und wir sagen danke an diejenigen, welche sich für den Erhalt der Erinnerungsstücke sowie die Gestaltung dieser Ausstellung stark gemacht haben.

…ohne Passierschein dürfen wir wieder rüber…

Alle Daumen hoch – und liebe Leute, wenn ihr das nächste Mal die A9 entlangfahrt – macht einfach diesen Abstecher. Für uns haben 1,5 – 2 Stunden da gereicht. Wenn man allerdings alle Plakate genau lesen will, solltet ihr schon etwas mehr Zeit einplanen.

Hier geht es zur Webseite der Ausstellung: http://moedlareuth.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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