Burano – Farbrausch unter Venedigs Sonne
Der heutige Beitrag wird vor allem eines: Bunt. Denn es geht nach Burano und damit auf eine einzigartige und zu Venedig gehörende Insel. Um genau zu sein, besteht die Insel Burano aus vier kleineren, durch Brücken verbundene Inseln. Kommt man jedoch vom historischen Zentrum Venedigs, verliert sich dank unzähliger Brücken ohnehin jegliches Gefühl für selbige und das durch sie überspannte Gebiet. Das spielt für einen Besuch auf Burano auch eigentlich keine Rolle, denn es ist vor allem der Sehsinn, der hier auf wundervolle Weise Farben in unser Bewusstsein spielt. Lust auf eine kleine optische Verzauberung? Na dann los…
Inhalt:
Der Weg zum Farbtopf …äh nach Burano
Wie gesagt: Burano ist eine Insel, das heißt, wir müssen von Venedigs Altstadt mit dem Boot anreisen. Es gibt verschiedene Optionen. Wir steigen am Fährterminal Fondamente Nove A in den Wasserbus Nummer 12. Das Vaporetto bringt uns in circa 45 Minuten nach Burano. Da wir an diesem Tag noch mehr Inseln besuchen wollen, haben wir uns für das 24h Ticket für 20 Euro entschieden. Richtig komfortabel und nur etwas teuerer geht es aber auch mit dem Panoromaboot (*) – vor allem ersparst du dir hier das Anstehen, falls am Nachmittag die Wassertaxis rammelvoll sein sollten.
Allein diese kleine Fährfahrt ist echt sehr nett. Der Tag ist heiß und so genießen wir den kühlen Wind, der uns die Fahrt über begleitet.
Die meisten Passagiere haben sich für einen Sitzplatz entschieden. Wir jedoch stehen im vorderen Bereich und machen wie gewohnt eine Menge Fotos. Es geht vorbei an der Glasbläserinsel Murano, Leute kommen, Leute gehen und auch der Postbote teilt unsere Fahrt. Hut ab, der hat wirklich einen weiten Anfahrtsweg für die paar Pakete, die er auf seiner Karre hat.
Der Wasserbus stoppt neben Murano noch an der Insel Mazzorbo und Torcello, bis er uns endlich und zusammen mit einem Schwall farbhungriger Menschen auf Burano ausspukt.
Ich sehe rosa – wohnt Barbie hier?
Zugegeben, im ersten Moment flasht mich die Insel. Kunterbunte Häuschen reihen sich nahtlos aneinander. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. So etwas habe ich noch nie gesehen und ohne es tiefer zu hinterfragen: Es ist einfach nur zauberhaft.
Die Insel ist nur 670 Meter lang und maximal 450 Meter breit (Quelle: wikipedia.de), doch wieviel und vor allem welch´ intensive Farben man auf so kleinem Raum unterbringen kann, wird erst so nach und nach deutlich. Augenscheinlich hat jedes Haus eine andere Farbe. Und je mehr von diesen Häusern ich betrachte, desto deutlicher wird die eine Frage, die sich wahrscheinlich alle hier stellen:
Warum sind die Häuser auf Burano so bunt?
Was zunächst wie ein stark verspielter Gestaltungstrieb scheint, mag vor allem in Buranos Fischereivergangenheit ganz logische und lebenswichtige Gründe gehabt haben. Die Insel liegt in der für ihren Nebel bekannten Lagune und so manch´ vernebelter Tag mag wohl den einen oder anderen Fischer auf der Suche nach seinem Haus zur Verzweiflung getrieben haben. Aus diesem Grund wurden die Häuser in den quietschbunten Farben angestrichen, um auch bei dickster Watte sicher heim zu finden. So zumindest die Legende.
Auch heutzutage ist die Fischerei noch immer wichtiger Bestandteil auf Burano. Man navigiert nun natürlich mit technischem Gerät, doch die bunten Farben sind mittlerweile fester Bestandteil der Identität Buranos.
Was wäre die Insel ohne diese Farben? Und kann es vielleicht auch sein, dass die frohen Farben Gedanken an den Untergang von Venedig vertreiben dürfen? Man möchte bei diesen Anblicken einfach nicht glauben, dass es die Inseln eines Tages nicht mehr geben wird. Aber dies ist nur meine ganz private Interpretation.
Nicht zuletzt hat sich die Insel dank dieser kunterbunten Häuschen zu einem der fotogensten Touristenmagneten entwickelt, die ich je besucht habe. Wie schön also, dass die Bewohner an dieser Tradition festhalten.
Wir hatten übrigens Glück, denn wir sind verhältnismäßig früh angekommen. Doch schon ab der Mittagszeit wälzt sich die allseits bekannte Menschenmeute durch die Gassen. Dann ist es grundsätzlich zwar immer noch genauso schön und vor allem auch sehr lebhaft. Fotos wie in diesem Beitrag sind dann aber nur noch an wenigen Stellen möglich. Fühl dich mal kurz in 30 Grad im Schatten ein und dann rein in die nächste bunte Gasse:
Die Farben von Burano scheinen einzigartig. Sofort habe ich natürlich geschaut, ob es vergleichbare Orte auf der Welt gibt. Und es gibt sie zum Beispiel mit Palmitas in Pachucade Soto in Mexiko oder Willemstad auf Curaçao. Nicht ganz vergleichbar, weil blitzeblau ist Júzcar in Spanien und sicherlich zieht auch das Regenbogendorf Kampung Pelangi in Indonesien viele Touristen an.
Jedoch: Diese Natürlichkeit, welche die bunten Häuschen nicht zuletzt auch durch die Aktivitäten ihrer Bewohner ausstrahlen, scheint auf Burano einzigartig. In fast jedem Hauseingang wedelt ein Vorhang, nicht selten sind sie vom gleichen Muster. Hier lugt mal ein Senior dahinter vor, dort mal eine kleine süße Hundeschnauze und weiter drüben steht ein Schrubber. Na und auf die Wäscheleinen machen wir ja sowieso alle Jagd.
Doch die farbigen Häuser mit sorgsam aufgreiten Unterhosen sind längst nicht alles, was die Insel zu bieten hat.
Alles Burano-Spitze oder was?
Der Tag schreitet voran und so langsam gestalten die Ladenbesitzer die Auslagen. Und siehe da – feinste Burano-Spitze kommt zum Vorschein. Das ist ja eine Überraschung, mit der ich so unbedarft, wie ich an diesen Ausflug rangegangen bin, nicht gerechnet habe. Die Spitze soll im 15. Jahrhundert erstmals entwickelt worden sein und neben der Fischerei auf Burano ein wichtiger Wirtschaftszweig gewesen sein. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war die Herstellung der Spitze reinste und komplizierte Handarbeit. Wenn dich die Geschichte der Spitze von Burano mehr interessiert, gibt es die Möglichkeit das Lace Museum zu besuchen.
Der schiefe Kirchturm von Burano
Und noch etwas fällt ins Auge, wenn man über Burano bummelt. Egal von wo man sich nähert – irgendwie bekommt man diesen Kirchturm von San Martino nicht fürs Foto gerade gerückt. Ob sich dieser Turm selbst durch Absinken des Erdreiches geneigt hat oder ob man ihn absichtlich schief gebaut hat, weiß ich leider nicht. Wir denken eher ersteres.
Aber: Schiefer Glockenturm und Buxen auf der Leine – na wenn das kein waschechter Italien-Fotospot ist.
Und: Die Kirche darf man natürlich besichtigen. Wegen des Fotoverbotes, kann ich aber leider das Innenleben von San Martino nicht mit dir teilen.
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Die Fischer auf Burano
Egal wohin man auf dieser Insel wandert, die bunten Häuser lenken fast unverschämt von all den anderen Sehenswürdigkeiten ab, die es darüberhinaus auch noch gibt. Und wie oben schon erwähnt, hat Burano eine Fischertradition und auch heute noch, sind die Männer mit Fang und Verkauf beschäftigt.
Einkehr und die Farben bleiben Programm
Nach so viel Eindrücken tut es auf jeden Fall gut, sich für ein paar Augenblicke in eine der vielen Bars zu setzen. Selbst hier setzen sich die Farben in Form von bunten Stühlen durch – die Leute machen mich fertisch 😉 – und ich weiß nicht, wann ich je so ein verzücktes Gefühl bei einem Stadtbummel verspürt habe. Allein dafür hat sich der Ausflug gelohnt.
Wir entspannen bei typisch venezianischen Cicchetti. Ja, das „Doppel-C“ ist richtig und kein Tippfehler.
Das sind kleine Häppchen, welche aus lokalen Zutaten zubereitet werden. Schnittchen halt oder neumodern: Fingerfood. Kleiner Fisch und Shrimps auf kleiner Weißbrotstulle.
Im verwaschenen Hintergrund präsentiert sich mal wieder eine Wäscheleine – selbst die Wäschefarben scheinen auf die Hausfarbe abgestimmt zu sein aber ich glaube, das war eher Zufall.
Impressionenen und Fotospots Burano
Du fragst dich nach all den Bildern jetzt, wo die besten Fotospots auf Burano sind? Glaube mir – du wirst sie alle selbst finden. In ungefähr zwei bis drei Stunden bist du locker und gemütlich fast alle Gassen abgelaufen. Spar dir die Zeit mühevoll Fotospots von Burano einzuspeichern, denn der Moment vor Ort wird dir wirklich die tollsten Bilder schenken.
Jeder wird andere Details finden aber eines ist sicher – es gibt zig Fotomotive auf Burano und es macht wirklich keinen Sinn, einem ganz bestimmten hinterherzujagen.
Hier teile ich in loser Folge noch ein paar meiner Lieblingsbilder von Burano, die Kommentare dazu befinden sich unter den Fotos.
Ja – du siehst, ein Farbenfass ohne Boden, du spürst sicherlich meine Begeisterung für diese Insel – also hiermit spreche ich eine absolute Reiseempfehlung aus. Burano ist eine der witzigsten, einzigartigsten und farbenfrohesten Inseln, die ich je gesehen habe.
Kennst du noch einen Ort mit bunten Häusern irgendwo auf der Welt? Dann schreibe es mir gern mal rein in die Kommentare unten.
Und ansonsten sage ich recht herzlichen Dank, dass du mit mir diese farbenfrohe Reise angetreten hast. Schau bald wieder hier vorbei – der nächste Beitrag guckt schon um die Ecke.
Zurück in der Altstadt von Venedig?
Dann schau Dir doch gern gleich noch meinen Beitrag zum Rialtomarkt oder den Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten von Venedig an:
Sehenswürdigkeiten Venedig und warum sich eine Gondelfahrt nicht wirklich lohnt
Und noch mehr interessante Seiten zu Burano, seinen Farben und der Spitze:
12 Kommentare
Das ist ja wirklich hübsch bunt dort 🙂 Werde ich mir für meinen nächsten Italien-Besuch direkt mal abspeichern. Quietschig-bunte Grüße von Sabine
Hallo Sabine,
ja – es ist unfassbar bunt und meine absolute Reiseempfehlung kann ich nur wiederholen!
Lg Sandra
Eigentlich war ich ja so langsam schon richtig in Herbststimmung, aber der Artikel lässt noch mal echte Sommer-Vibes aufkommen. Da hat man direkt Lust, ein quietschbuntes Kleid anzuziehen und durch die Gassen zu streifen. Vielleicht eine Idee für nächsten Sommer… 😀
Sehr schöne Fotos auf jeden Fall!
Alles Liebe
Anuschka (Rosas Reisen)
Hi Anuschka,
danke für Dein Feedback und ja – das mit dem quietschbunten Sommerkleid passt dort wirklich hin! Lassen sich ganz sicher tolle Fotos machen (Pinkes Kleid vor blauem Haus und so 😉
Lg Sandra
Ach, Burano! Ich liebe diese bunten Häuser und überhaupt hab ich mich in Venedig verschossen, war aber erst zweimal für je ein paar Stunden dort – und da war keine Zeit für die Inseln. Aber ein Trip direkt nach Venedig muss jetzt einfach mal sein, immerhin ist es ja nicht weit. Wenn du auf farbige Orte stehst, wie du schreibst – dann möchte ich dir die blaue Stadt Chefchaouen in Marokko empfehlen, da ist alles in Blau gehalten, sehr schön! LG Melanie
Hi Melanie.
Ach, da sind wir ja schon zwei, die sich in Venedig verschossen haben. Ich war vier Tage dort und mir ist überhaupt nicht langweilig geworden. Viel Freude Dir also dort und vielen Dank für die blaue Stadt, die kannte ich noch nicht.
Lg Sandra
Das sind ja wirklich mega aus!
Die Italiener scheinen das mit den Farben wirklich oft zu machen, damit die Fischer wieder nach Hause finden. Ich war in diesem Jahr in Camogli in Ligurien und hab genau das gleiche dazu recherchiert. Sie haben ihre Fassaden ebenso bunt gestaltet, damit sie von der See auf ihr Zuhause schauen und natürlich es wiederfinden können.
Danke dir fürs Zeigen eines solch tollen Ortes.
Liebe Grüsse, Lisa
Hallo Lisa,
danke für den Tipp mit Camogli, davon habe ich auch noch nie gehört!
Lg Sandra
Ich liebe Burano, da kommen tolle Erinnerungen auf.
Danke.
LG Heike
Hallo Heike,
wie schön, dass ich mit dem Beitrag Deine Erinnerungen wecken konnte!
Lg Sandra
So sehe ich das auch, Danke für den klasse Artikel.
Vielen Dank!