Japan mit dem Campervan – Intro

Gefühlt habe ich mich drei Wochen von zusammengequetschten kalten Reis wahlweise mit Seetang oder Gurkenfüllung ernährt. Ich bin Vegetarierin und habe mich so kompromissbehaftet an der vegetarischen Variante der japanischen Nationalspeise Sushi(*1) entlanggehangelt.  Mit Vorliebe essen die meisten Japaner alles, was sich im Meer finden lässt, am liebsten noch roh. Und von einem vermeintlich und hoffnungsfroh erhaltenem Gemüsesalat, lachen durchaus mal die getrockneten Fischaugen.

Konichiwaaa – guten Tag und Hallo. Wir sind zurück von unserer kunterbunt ereignisreichen Reise mit dem Wohnmobil durch Japan. Randvoll gefüllt mit Eindrücken und auch überglücklich, über unsere persönliche Freiheit in unserem Leben. Nie war uns das deutlicher, als nach ein paar Tagen im Co-Kontakt mit einer Gesellschaft, in der Individualität kein erklärtes Ziel, ist sondern Gruppenkonformität als scheinbar einziges Lebensmuster dient. Nie haben sich Menschen vor uns dermaßen oft verbeugt, wie auf dieser Reise und fast schon hat uns die unglaubliche Freundlichkeit weh getan. Komplett andere Verhaltensweisen dieses Inselstaates lassen uns nun noch einmal ganz anders über unser eigenes Verhalten nachdenken.

Immer wieder steht irgendwo eine hilfreiche Person, die genau aufpasst, dass man sich regelkonform verhält. Das spannende ist, jeder darf seine X-beliebigen Regeln aufstellen. Das Schwimmbad, der Landschaftsgarten und auch der Supermarkt. Wer meint, eine Regel sei dem Gemeinwohl dienlich, stellt sie auf und setzt sie bis aufs Äußerste durch.

„Bitte mit den Füßen innerhalb der gelben Markierung bleiben“

Mit Durchsagen, Leuchtwinkestab, Trillerpfeife, Schriftzeichen oder Megaphon. Was am Anfang noch ganz kurios erscheint, lässt uns schon bald, zwar lächelnd, aber den Kopf schütteln. Wir sind ja doch nur im Urlaub. Aber man stelle sich vor, man steigt an einer Touristenattraktion auf dem Parkplatz aus und und möchte nun zur Erreichung derselben, die Straße überqueren. Garantiert werden wir darauf hingewiesen, den Zebrastreifen zu benutzen. Völlig uninteressant, ob da auch nur irgendwo in der Ferne ein Auto zu sehen ist. Für uns, die im deutschen Straßenverkehr kreuz und quer dort entlanglaufen, wo wir die größte Sicherheit und den geringsten Zeitaufwand vermuten, ein Unikum.

Brav sind wir auf den Zebrastreifen gewechselt. Denn die Ernsthaftigkeit, mit der die Regeln vom Parkplatzwächter rübergebracht werden, lassen im ersten Moment kein Zögern zu. Mit sklavenähnlich hohem Verantwortungsbewusstsein, werden die Jobs ausgeführt. Und genau diese kleinen Begebenheiten sind es, die das Faszinosum unserer Reise ausmachen. Wir sind dankbar, die Reise mit dem Wohnmobil getätigt zu haben – für uns die absolut richtige Entscheidung. Genaueres dazu folgt später.

Japan mit dem Camper – wir sagen JA

Auf unserer Reise von Tokio bis in kleine, teilweise verlassene Bergdörfer, über Inseln und runter bis nach Hiroshima, begegneten uns Gegensätze, die größer nicht sein könnten. Hier steckt die Bäuerin von Hand ein paar Reispflänzchen ins Beet und weiter oben donnert der Shinkansen, der Hochgeschwindigkeitszug auf seiner auf Stelzen stehenden Trasse mit über 300 km/h vorbei. Nur kurz sieht man ihn, dann verschwindet er schon im nächsten Berg. 80% des Landes bestehen aus Bergland, dazwischen elegant gewundene Straßen, Dörfer, Seen, Flüsse, Megametropolen und ohne Ende Reisfelder. Genauso wie Tunnel, Brücken und Ampeln.

Reisfelder

Wir reisen 3600 Kilometer mit der Ultraschallgeschwindigkeit von durchschnittlich 40 km/h auf kurvenreichen Straßen durch dieses Land, schlafen auf einfachen Raststätten und einmal sogar unter der Brücke. Für die weltweit längste Hängebrücke können wir das wohl mal aushalten. Verzichten auf persönlichen Komfort und schlurfen gemeinsam morgens mit Japanern auf die öffentliche Toilette. Lassen uns gern von ihren laufenden Motoren stören und passen gehörig auf, nicht aufzufallen. Allein unser europäisches Äußeres macht jede dieser Bemühung zu Nichte. Vor allem in ländlichen Regionen fällt man per se auf. Dennoch gilt, nicht laut niesen, nicht öffentlich schneuzen, Geldscheine mit zwei Händen empfangen und so weiter. Doch so ganz ist es uns nicht gelungen, denn erst gegen Ende der Reise lesen wir, dass es sich nicht schickt, auf offener Straße zu essen. Wir jedenfalls haben in getreuer Campermanier jeden Morgen unser Minitisch und die Klappstühle für einen Kaffee und ein kleines Startmüsli rausgeräumt und zelebriert. Natürlich haben wir uns gewundert, warum die Japaner alle im Auto essen oder sogar bei offener Flamme im Auto ihren Tee kochen. Das es ein Regularium ist, erschließt sich uns erst spät. Uuups. Glücklicherweise umgibt die Japaner eine Eigenschaft, im Prinzip alles zu dulden. Und so gucken sie neugierig, manche kommen auch mal näher und fragen was.

Frühstück draußen

Wir sind jedenfalls kolossal fasziniert von Land und Leuten und werden in den nächsten Tagen und Wochen mehr über unsere Reise berichten. Wenn ihr mögt, kommt ihr mit auf unsere virtuelle Reise. Tageweise berichten wir hier auf dem Blog und auch auf Youtube unsere Route, die Highlights entlang unserer Route.

Grob gesagt verlief sie von Tokio, vorbei am Mount Fuji – Japans höchster Berg. Von hier aus weiter westlich in die kleinen Dörfer Shirakawago und Gokayama. Die einzigen Dörfer, wo noch Häuser im sogenannten Gasso-Stil stehen. Sie sind als Weltkulturerbe anerkannt.

Dorf Gokayama

Es geht dann weiter nordwestlich auf die Halbinsel Noto. Später runter nach Kyoto zum berühmten Fushimi-Inari Schrein. Wir besuchen das 1995 erdbegengeschüttelte Kobe.  Über die längste Hängebrücke erreichen wir die Inseln Awajima und Shikoku. Sind überwältigt vom riesigen Gezeitenstrudel von Naruto. Wir besuchen den Ritsuringarten. Und im Shikokubergland kurven wir durch die Kashiharaschlucht und später vergeht uns dann ob der Strecke über einen Pass mal kurz das Lachen, doch zuvor toben wir erst mal in der Dämmerung über die Kyobashi Vine Bridges. Geflochtene Hängebrücken welcher wir zu so später Stunde komplett für uns alleine haben.

Später geht es über Inselhopping und mehrere gigantische Brücken zurück auf die Hauptinsel Honshu. Emotional hat uns wohl doch am meisten der Friedenspark und die Ausstellung in Hiroshima ergriffen.

A-Bomb Dome Hiroshima

Wir verarbeiten unsere Erlebnisse auf einer kleinen Wanderung auf der Insel Myajima, fotografieren das berühmte rote Torii, welches bei Flut im Wasser steht und werden dank der Viperwarnung jäh wieder zurück in die Realität von Japans Natur gerissen. So allmählich beginnt nun die Rückfahrt Richtung Tokio, auf welcher wir noch die ehemalige kleine Handelsstadt Kurashiki besuchen, sowie den beliebten Landschaftsgarten Korakuen. Im schönen Licht vom Sonnenuntergang präsentiert sich uns Japans bekannteste Burg Himeji. Kleines Fotoshooting.

Burg Himeji bei Sonnenuntergang

Der Camper schnauft dann ein weiteres Mal ins Bergland. Dieses Mal hinauf in die Klosterstadt Koyasan, wo wir das bei Pilgern heilige und angestrebte Grabe des Kobo Daishi besuchen. Bei Weihrauchduft und umgeben von riesigen jahrhundealten Zedern lauschen wir dem Gemurmel der Betenden. Lange spazieren wir durch den berühmtesten Friedhof Japans mit seinen Millionen Gräbern um schon am nächsten Tag den hunderten oder gar tausenden freschen Hirschen und Rehen im Nara-Park zuzusehen.

Marcus und die Hirsche

Ein Highlight jagt wahrlich das nächste. Über Nagoya hangeln wir uns letztendlich nach Tokyo Shibuya und fahren doch glatt mal mit dem Wohnmobil über die berühmt berüchtigte und eine der meistfrequentierten Kreuzungen der Welt. Ein Menschenflash vor unseren Augen.

Shibuya – Crossing / Kreuzung Shibuya Tokio

Zufälligerweise geraten wir noch zu schönen Abendaufnahmen vom Tokyo Skytree und vom Tokyo Tower. Ein letztes Sprungbild am Pazifik östlich von Tokyo und schon sitzen wir im Flieger und betrachten die vereiste sibirische Tundra von oben, bevor wir in Rom umsteigen in unseren Flieger nach Berlin Tegel.

Wir sagen Danke, dass wir das alles erleben durften und laden Euch ein uns hier auf dem Blog, auf Youtube oder auch auf Marcus seinem Fotoblog ein paar Impressionen abzuholen. Fragt, was ihr wissen wollt und lasst uns wissen, wie es Euch gefallen hat.

Wir in Japan – glücklich!

(*1) – wie wir von japanischen Schülerinnen lernen durften, spricht man das sussi – Zeit meines Lebens nenne ich die Reisröllchen Suschi ….welch´ ein Frevel.

 

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