Im Spreewald paddeln

im Bottsverleih Richter Lübbenau

im Bootsverleih Richter Lübbenau

Mindestens einmal im Jahr möchten wir im Spreewald paddeln und nun war es wieder soweit. Beim Bootsverleih Richter in Lübbenau haben wir uns völlig unkompliziert online ein Tourenkajak bestellt und auch gleich online bezahlt. Per Sofortüberweisung oder Paypal bekommt eben auch der Anbieter ein wenig Sicherheit, dass der Tourist wirklich kommt. Fantastisch.

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo man anrief und mit Bleistift in irgendein dickes Buch geschrieben wurde. Bei der morgendlichen Anreise habe ich dann immer gehofft, dass ich auch wirklich am richtigen Tag im Buch stehe. Und ich bin mir sicher, dass auch die meisten Vermieter gehofft haben, dass der Tourist kommt. Alles Vergangenheit, zumindest bei dieser Vermietstation.

noch warten die Boote auf die Touris

noch warten die Boote auf die Touris

Wir sind überpünktlich kurz vor 10 Uhr da und das ist auch gut so. Denn schon bald drängen die Wasserwilligen an die Anmeldung. Also – pünktlich da sein wird definitiv mit ein paar mehr Wasserminuten belohnt. Generell müssen wir jedoch das gesamte Team von Kanu Richter loben. Jeder weiß, was er zu tun hat. Die Abwicklung erfolgt zügig und fehlerfrei, freundlich und vor allem hilfsbereit. Hut ab bei der Masse an Touris, die sich besonders am Wochende dort einfinden. Keine Angst – es zerstreut sich. Auf den Fließen ist genug Platz für alle.

Schnell kontrolliert Herr Richter höchstpersönlich an der Anmeldung noch die Zahlungsbestätigung und den Personalausweis, dann bekommen wir ein Tourenkajak zugewiesen. Je nach Können bekommt jeder Gast eine entsprechende Tour vorgeschlagen und eingemalt. Das ist großartig, denn man kann sich echt verfahren und auch überschätzen in dem WirrWarr von kleinen Kanälchen. Für uns wird die sogenannte Hochwaldtour eingemalt. Na klar. Ich habe ja mal wieder Marcus im Boot, der ehemalige Kanurennsportler. Super. Die Tour ist mit 7-8 Stunden veranschlagt. Bloß gut, dass wir einen großen Pott Nudelsalat und viel Wasser dabei haben.

Wir ordern noch eine kleine wasserdichte Tonne, verstauen darin die Handys und Geldbörsen und schön geht es los. Trau dich ruhig, danach zu fragen, diese Tonnen werden nicht standardmäßig ausgeteilt. Dafür gibt es aber standardmäßig Sitzkissen …. die sind Gold wert.

wasserdichte Tonne

wasserdichte Tonne

Balancierend steigen wir in den wackeligen Pott und schon geht es auf dem Südumfluter los. Rechts, Links, Rechts, Links …. dieser Takt wird uns die nächsten Stunden gut verfolgen und auch ein wenig fluchen lassen. Wir sind es überhaupt nicht mehr gewöhnt, das bekommen wir ordentlich zu spüren. Doch am Anfang ist erst mal alles noch schön. Wir fahren in den II. Freiheitskanal. Den haben wir gerade für uns ganz allein.

Endlich paddeln.

Endlich paddeln.

Die Kulisse beim Paddeln im Spreewald ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Stundenlang säumt sattes Grün unseren Weg. Unsere kleine Bugwelle lässt das Gras am Ufer sanft schwingen, Libellen tanzen um uns herum und der Wald rauscht herrlich. Und natürlich tschilpen die Vögel. Manchmal riecht es auch ein wenig nach Kuh. Urlaub. Hier tritt unmittelbar Urlaubsgefühl ein. Dafür liebe ich diesen Spreewald. Wir passieren Semisch und E-Kanal und haben das Dorf Leipe erreicht. Hier gäbe es die erste Möglichkeit der Einkehr.  Wir haben jedoch viel vor und so essen wir unseren mitgebrachten Nudelsalat und Teeschorle und lassen uns kurz die Sonne auf die Nase scheinen.

Stundenlang Grün und Ruhe

Stundenlang Grün und Ruhe

Na klar, ist es nicht nur idyllisch. Schließlich sind ja noch einige andere mit ihren Böötchen unterwegs, doch das Aufeinandertreffen kann sehr unterhaltsam sein. Nicht selten stellen sich Boote quer, weil das Steuern tatsächlich ein wenig kompliziert ist. Bei dieser Tour ist es uns mehrmals passiert.

Aus diesem Grund lohnt es sich wirklich, die paar Euro mehr für ein Boot mit Steuer zu investieren, welches man mit den Füßen bedient. Aber auch so ist es lustig, die Lenkmanöver der anderen zu beobachten. Ich habe wirklich gut lachen. Ich kann es auch nicht. Aber ich darf meistens vorn sitzen, weil Marcus mein Rumgestocher nicht wirklich lange mitmacht, falls ich doch mal hinten sitze. Nun denn. Bei dieser Tour hatten wir jedenfalls eine Steueranlage, das ist definitiv auch kraftsparend.

im Spreewald paddeln

im Spreewald paddeln

Wir haben Leipe wieder verlassen und arbeiten uns über das Jurks Fließ und den Leiper Graben Richtung Hochwald vor. Spannend sind im Spreewald die vielen Schleusen, um die man nicht wirklich drumherum kommt. Mit etwas Glück werden sie von Ortsansässigen bedient. Ein kleines Trinkgeld versteht sich von selbst. Halte ein paar 50 Cent Stücken bei einer Paddeltour durch den Spreewald bereit. Das kleine Gefäß steht irgendwo am Rand. Falls du selbst nicht rankommst, lass doch einfach durchreichen. Ich finde das super, das die Leute das den ganzen Tag für uns machen.

Wir fahren auf die Schleuse zu

Wir fahren auf die Schleuse Nummer 60 zu

Schleuse Nummer 60 war heute jedenfalls unbesetzt. Eigentlich wollte ich aus dem Boot springen, um ein paar Fotos vom Schleusvorgang zu machen. Doch dann wurde ich unfreiwillig in meinen allerersten Selbstschleusgang gestuppst. Brrrrr.

Die Schleusentore

Die Schleusentore

Irgendwie muss man also die Schleusentore aufbekommen, sodaß man reinfahren kann. Dann das hintere Tor schließen. Marcus hatte Glück. Er saß im Boot, während ich nun doch das eine oder andere Fragezeichen entwickelte. Nun gut. Da sitzt er also im Boot und wartet geduldig. Das ist doch schon mal was.

Marcus wartet in der Schleuse

Marcus wartet in der Schleuse

Dann öffne ich über die großen Hebel die vorderen Abflüsse und der Wasserstand in der Schleuse fällt analog zum weiteren Flussverlauf ab. Dann nochmal ordentlich gegen die vorderen Tore gestemmt und schon öffnen diese sich. Puh geschafft, denn hinter uns sind wie aus dem Nichts einige Paddler aufgetaucht. Die stehen Schlange und geben ungeduldige Ratschläge. Na das kann ich ja leiden. Zu guter Letzt eilt mir ein kleiner Junge zu Hilfe. Im Gegensatz zu mir ist er ganz heiß darauf, diese riesigen Tore zu bewegen.

Auf und Zu .... Schleusen

Auf und Zu …. Schleusen

Die Fahrt geht weiter und wir genießen einfach nur diese satte Natur. So allmählich jedoch, fangen wir an, unsere Schultern zu spüren. Da kommt uns die Abzweigung ins Bürgergließ Richtung Süden gerade recht.

Pflanzen erobern die Begrenzungspfähle

Pflanzen erobern die Begrenzungspfähle

Wasserpflanzen

Wasserpflanzen

Wir entdecken sogar einige wenige, der für den Spreewald so typischen Heumieten. Das verkomplettiert die tolle Stimmung.

Heumiete

Heumiete

Gegen 15.00 Uhr erreichen wir das Museumsdorf Lehde. Auf unserer Wasserwanderkarte steht, dass dieses Dorf zwischen 11.00 und 16.00 gemieden werden soll. Wir haben zwar eine Ahnung aber verstehen noch nicht ganz, warum eigentlich.

Museumsdorf Lehde

Museumsdorf Lehde

Doch kaum sind wir im Dorf angekommen, finden wir uns in einer unüberschaubaren Fülle von selbsternannten Paddelweltmeistern. Oha. Da wird gegen die Ufer gerempelt. Auch mal gegen unser Boot. Panisch geguckt. Ein kleiner Junge bemerkt ganz vorsichtig: „Papa, ich glaube wir stehen im Weg“. Ja. Das war auch so. Haha. Aber das lässt sich in diesem Tumult überhaupt nicht vermeiden.

Also …. Gang raus nehmen und ganz sachte hindurchgleiten. Ein Pärchen wendet an einer Stelle, wo man eigentlich nicht wenden kann. Das Boot nimmt die komplette Breite des Kanälchens ein. Ich erinnere mich plötzlich an die karrikierten Puzzle von Heinz Jankowsky und fühle mich grad mitten in einem. Nur die Knubbelnasen fehlen uns.

Museumsdorf Lehde

Museumsdorf Lehde

Das beste ist eigentlich, sich hinter einen Fährkahn zu klemmen und ganz in Ruhe den Ort zu passieren. Im Zweifel kommt man eh eine ganze Weile nicht dran vorbei. Zumindest habe ich jetzt genug Zeit, ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Das Wetter eignet sich hervorragend dafür.

Hinter einem Fährkahn

Hinter einem Fährkahn

So und weil nun tatsächlich Fährkahn an Fährkahn in den Stoßzeiten auf den Kanälen patroullieren, meidet man diesen Ort im Idealfall oder wartet wie empfohlen bis nach 16.00. Wer noch etwas mehr Kondition hat, fährt einfach um den Ort drumherum.

Richtung Lübbenau

Richtung Lübbenau

Wir jedenfalls halten uns nun wieder Richtung Lübbenau, um das Böötchen wieder abzugeben. Und wieder muss ich einen Pluspunkt an die Vermietstation vergeben. Eine knallorangene Fahne weist den Weg in den kleinen Mietshafen. Denn wie du dir sicherlich denken kannst, kann man an vielen Stellen ein Boot ausleihen und leicht ermüdet muss man manchmal ganz schön suchen, wo man es nachmittags wieder abgibt. Nach nunmehr knapp 5,5 Stunden legen wir an und sofort eilt ein junger Mann der Station zu uns, um uns beim Aussteigen behilflich zu sein. Sehr zuvorkommend, deswegen empfehlen wir euch gern auf unserem Blog. Bitte weiter so.

Blick auf die Hauptspree

Blick auf die Hauptspree

Traditionell verankert ist nun unser nur wenige hundert Meter reichender Spaziergang zum Haupthafen. Hier ist immer Markt. Regionale Anbieter verkaufen ihre spreewaldtypischen Waren. Ich kaufe eigentlich immer was, einfach um die Region und die Arbeitsplätze zu unterstützen.

Heute jedoch werden wir leider etwas stutzig. Natürlich wollen wir saure Gurken kaufen und die gibt es in zweierlei Variante. Die einen sind die im Glas. Eingekocht. Die habe ich letztendlich samt Leinöl und Letscho auch gekauft.  Die anderen sind die eigentlich Frischen. Die, die man in wenigen Tagen verbrauchen sollte. Im Plastikpott.

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum ich sie heute nicht gekauft habe. Diese im Plastikpott enthalten Konservierungsstoffe. Natriumbenzoat. E211. Und das möchte ich gern vermeiden. Letztendlich ist es jedem selbst überlassen, wie er das handhabt. Die Verkäuferin jedenfalls winkt nur müde ab und meint: „Dann dürfen sie gar nix essen.“ Ja – da hat sie recht. Oder eben so weit es geht naturbelassene Sachen. Früher haben wir viel selbst eingelegt. Oder vielmehr meine Eltern. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass man da so etwas reingemacht hat.

Regionale Waren werden feilgeboten

Regionale Waren werden feilgeboten

Wieder einmal ein wunderbarer Tag im Spreewald und wie immer komme ich mir vor, als hätte ich mehrere Tage Urlaub. Echt irre. Ich komme auf alle Fälle wieder. Und nicht nur im Sommer hat der Spreewald eine Menge zu bieten. Auch im Herbst oder Winter werden Märkte oder Themenkahnfahrten oder sogar auch Paddelbootverleih zum Winterpaddeln veranstaltet.

Auf Werbeflyern habe ich die nächsten Aktionen schon gelesen. Zum einen gibt es in wenigen Tagen die Spreewälder Lichtnächte. Das klingt ja extrem toll.

Noch eine ganze Weile hin aber zum anderen klingt der Hinweis auf eine Kahnfahrt zum Weihnachtsmarkt sehr interessant.

Was kannst du mir noch für den Spreewald empfehlen? Schreib mir gern einen Kommentar.

 

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