Berlin Marathon 2015

Berlin Marathon 2015

Berlin Marathon 2015

Gemütlich radle ich aus dem Berliner Südosten Richtung Hermannplatz. Berlin schläft noch, zumindest in der Peripherie. Nur eine kleine Ahnung macht sich breit, dass es in Mitte so allmählich wie in einem Kochtopf anfängt zu brodeln. Unzählige Läufer, Handbiker und Rollifahrer machen sich bereit um den 42. Berlin Marathon zu meistern.

Doch zunächst kitzeln mich morgendliche Sonnenstrahlen auf der Nase, Eicheln und Kastanien kullern unter meinen Reifen weg und ich genieße die Fahrt auf der meist quirligen, nun jedoch fast menschenleeren Sonnenallee.

Am Hermannplatz geht es los. Die erste Combo heizt den Handbikern ein – die sind schon gestartet. Ohne Mühe kann ich die Strecke noch kreuzen und laufe nun den Kottbusser Damm rechts der Strecke… werfe den Rollis bewundernde Blicke und auch eins zwei Klatscher zu. Dann passiert was total Kurioses. Ein Mann im Liegefahrrad fragt mich im müden Englisch, ob das die Strecke für die Biker sei. Ich habe es erst nicht richtig verstanden – doch er war sich allen Ernstes nicht sicher, ob er den richtigen Weg nimmt. Da aber bald seine Kollegen an ihm vorbeikamen, war die Frage schnell geklärt.

Handbiker beim Berlin Marathon 2015

Handbiker beim Berlin Marathon 2015

Das Highlight des 42. Berlin Marathon

Die Vorfreude wächst, denn ich bin ausreichend zeitig los, um die ersten Läufer zu sehen. Das ist immer ein kleines Highlight, wenn die Spitzentruppe leichtfüßig vorbeirast. Angekündigt werden sie als erstes durch den Hubschrauber. Wenn der kommt, weiß man, sie sind in der Nähe. Dann kommt das Polizeimotorrad, welches den Straßenrand freimacht. Es folgen Streckenfahrzeuge – einer mit Kamera, einer mit der groß angezeigten Zeit.

Das Fahrzeug mit der Zeit

Das Fahrzeug mit der Zeit

Dann endlich. Die viel bejubelten Spitzenläufer. Vornehmlich aus Kenia und Ethiopien. Lange Schritte, grazile Körper, leichtfüßig. Grandios. Und weg ……

Die Spitzentruppe

Die Spitzentruppe

Dann passiert kurz nichts. Es folgen die nächsten vereinzelten extrem schnellen Läufer. Ich stehe ungefähr bei Kilometer 17. Eine knappe Stunde ist um. Die App vom 42. Berlin Marathon sagt mir, dass alle Bekannten gestartet sind. Und tatsächlich. Jo taucht auf. Konzentriert, zielstrebig … und ebenfalls jummm…..weg.

Nun müsste Steffen kommen. Schon letztes Jahr haben wir seinen Marathon verfolgt. Rotes Shirt, das sollte doch zu erkennen sein. Doch die Gesichter wackeln dermaßen schnell an mir vorbei, dass mir fast schwindlig wird. Ein älterer Mann bettelt mich um Geld an. Naja – Geld habe ich nicht, aber die Wasserflasche, die kannst Du sehr gern haben. Er nimmt sie und ich sehe zu, dass ich die nächste aus den Tiefen des Rucksacks berge. Steffen kommt nicht. Wahrscheinlich läuft er mit Tarnkappe oder so. Er muss durch sein. Ok schade. Verpasst. Aber bei den Läufern unter 3,5 Stunden ist es echt schwer, ein bekanntes Gesicht zu entdecken.

Ich versuche einen zweiten Standort. Laufe ein Stück bis zum Kottbusser Tor und bin wirklich erstaunt, welchen unglaublichen Lärm die Zeiterfassung bei Kilometer 15 macht. Fast kann man da nicht stehebleiben. Von hinten luge ich nun noch den Versorgern über die Schultern, Bananen in Stücken, Äpfel und riesengroße Wannen mit Instanttee werden mit großen Schneebesen zubereitet. Viele helfende Hände. Toll. Und wieder dieses Laufeventtypische Geräusch, wenn unzählbare Füße über am Boden liegende Plastikbecher rennen.

Gemütlich radle ich nun die Gitschiner Straße Richtung Tiergarten, vorbei am Technikmuseum mit dem Rosinenbomber an der Fassade, rechts lugt bald der Potsdamer Platz um die Ecke. Fernab der Strecke eine idyllische Ruhe heute in Berlin. Da macht Radfahren Spaß.

Bei Kilometer 37 sehe ich wieder die Schnellläufer. Ein Blick auf die App verrät mir, dass ich gut in der Zeit bin.

Und wieder taucht Jo auf. Souverän, schnell, unerschrocken. Mit einer Wahnsinnszeit von 2:53 geht er ins Ziel. Dann suche ich wieder das rote T-Shirt von Steffen. Jetzt gucken wir schon zu zweit und dennoch – er bleibt uns leider verborgen. Doch die Tarnkappe. Sag ich doch. Schön, dass man wenigstens die Laufzeiten auf der App verfolgen kann. Nach 3:21 kommt auch er im Ziel an. Irre. Tolle Zeit. Gratulation!

Und dann wird es kalt. Irgendwie richtig ungemütlich kalt und ich beneide die Läufer irgendwie so gar nicht in ihren kurzen, nassen Sportklamotten. Es häufen sich die Krämpfe. Immer wieder rennt einer an den Rand zum Dehnen. Auch hören wir mal Martinshorn, doch alles in allem trappelt sich der Marathon heute bei eigentlich sehr gutem Wetter so dahin. Ein paar lustige Kostüme rennen vorbei. Auch ein Kuscheltier wird im Ausschnitt transportiert. Eine dänische Frau weint bei Kilometer 37 – dann denke ich mir, wir haben doch auch eine S-Bahn in Berlin, hm. Doch ich weiß schon …. Einmal angemeldet, zieht man es in der Regel durch.

Ja und dann kommt wohl der Gewinner des Laufes. Ein Mann läuft gemütlich und haltet Euch fest, balanciert eine Kugel auf dem Kopf. Ich hau mich weg. Wie geht das denn über 42km? Hahaha. Irre.

Wir warten eigentlich noch auf Melanie. Eine Kollegin aus Potsdam. Auch sie meistert heute, ich glaube zum ersten Mal die Strecke. Doch wo bleibt sie nur. Die App sagt, Zeit wäre ran. Fast wollten wir schon gehen, kommt sie geordnet und eigentlich auch nicht so abgekämpft aber an der Stelle leider laufend zu uns. Knie. Oh nein. Knie. Egal …. Nur noch 5km, kurz gequatscht, dann geht sie wieder auf die Strecke um nach 5:39 das Ziel zu erreichen. Mein größter Respekt Melanie. Geschafft!!!

Schöner Tag mit viel Motivation, Kraft und Ausdauer. Leise habe ich kleine Pläne geschmiedet und mal schauen, Marathon muss es auf keinen Fall sein. Aber vielleicht ist ja doch ein kleinerer Lauf nächstes Jahr bei mir drin. Der Potsdamer Schlösserlauf würde mir gut gefallen.

Berlin fiebert mit!

Berlin fiebert mit!

 

 

 

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