Auf der Suche nach Kirschblüten – Wanderung auf dem Panoramaweg Werderobst bei Potsdam

Diese wunderschöne Wanderung führt uns am Fuße der Glindower Alpen entlang. Ja, die gibt es wirklich. Es geht vorbei an riesigen Obstplantagen und durch kleine brandenburgische Orte. Unverhofft stoßen wir auf ein eigentlich als verschwunden geglaubtes technisches Reliquit. Die Tour lädt zum Picknick an einem wirklich geschichtsträchtigen Denkmal ein. Komm mit auf den Panoramaweg Werderobst.

Vom Hauptbahnhof in Potsdam fahren wir mit dem Bus Nummer 607 nach Petzow Schlosspark. Hierfür reicht ein Ticket im Potsdamer ABC Bereich. Kostenpunkt 2,60. Die Fahrt dauert ungefähr eine halbe Stunde. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, entdecken wir das hübsche Schloss in Petzow. Es ist Punkt 11 Uhr, der oder die Verantwortliche nimmt seinen Dienst wohl nicht so ganz genau – obwohl eigentlich offen, ist geschlossen und leider entfällt damit auch der von uns anvisierte Aussichtsturm.

So starten wir direkt auf unsere Wanderung. Ein paar Kilometer haben wir schließlich vor uns und noch ist nicht klar, ob das Wetter halten wird. Also auf geht´s. Der Weg ist leider nur bedingt gut ausgeschildert, dank Handy können wir uns jedoch ganz gut orientieren. Unser Wanderorganisator Martin hat erfreulicherweise die GPS Daten runtergeladen. Leider hat natürlich sein Handyakku just zum Start der Wanderung fast seinen Geist aufgegeben. Ein herrliches Bild, den ganzen Tag trägt er nun, auf der Jagd nach Sonnenstrahlen, die kleine Solar-Powerbank in der Hand. Technik die begeistert. Immerhin reicht der Strom, um zwischendurch kurz auf die GPS-Ortung zu schauen.

Zunächst geht es am Glindower See entlang, vorbei am Ziegeleimuseum Glindow. Hier kann man eine Führung mitmachen, doch uns zieht es weiter. Erste Obstplantagen tauchen auf, die eine oder andere umfunktioniert als Pferdekoppel. Erste Blütenmeere eröffnen sich vor unseren Augen und mit ihnen klart es auch immer mehr auf. Obstbäume soweit das Auge reicht. Mal in voller Blüte, mal ganz frisch angepflanzt.

Anpflanzungen

Ein Großteil der Strecke laufen wir auf asphaltierten schmalen Fahrstraßen, teilweise geht es durch Feld und Flur. Wir erreichen den kleinen, direkt an der B1 liegenden Ort Derwitz und finden dort die heute einzige geöffnte Einkehrmöglichkeit. Das fliegende Ross erfüllt alle unsere Ansprüche. Mittlerweile scheint die Sonne so üppig, dass wir sogar den Freisitz nutzen können. Auf der weiteren Strecke haben in Derwitz noch 2 kleine Hofläden geöffnet. Ich schätze in der Erntesaison werden es noch ein paar mehr auf der gesamten Strecke. Kurz lugen wir über die Friedhofsmauern zur sehr fotogenen Kirche hinüber, direkt nebenan befindet sich das Otto-Lilienthal Museum. Besichtungen nur auf Anfrage.

Ortskern Derwitz

Doch schon zieht uns eine Telefonzelle in ihren Bann. Gibt´s das wirklich noch? So richtig mit Münzen einwerfen? Wir können es eigentlich kaum glauben. Hier jedenfalls steht ein noch funktionierender Münzfernsprecher – mit „federnden Tasten“ wie Marcus in seiner kleinen Moderation für´s Video erklärt.

Wir passieren den Ortsausgang und erreichen nach wenigen hundert Metern das Otto Lilienthal Denkmal. Ich gestehe, ich bin überrascht. Natürlich habe ich schon von Otto Lilienthal gehört, dass seine ersten Flugversuche jedoch so nah bei Potsdam stattfanden, war mir neu. Wieder was gelernt. 1891 fanden diese Flugversuche also nahe Derwitz im Örtchen Krielow statt. Hier steht heute nun auch das semifuturistische Otto-Lilienthal-Denkmal. Ich habe alles vesucht, abheben unmöglich – mein größter Respekt gilt diesem Mann, der das scheinbar Unmögliche versuchte.

„Alle sagten das geht nicht – bis einer kam, der wusst das nicht und hat´s einfach gemacht.“ (Goran Kikic)

Otto-Lilienthal-Denkmal

Nun sind es nur noch ein paar Minuten und schon endet unsere Tour am Bahnhof Groß Kreutz. Natürlich fährt uns der nur einmal stündlich fahrende Regionalzug direkt vor der Nase weg. So bleibt Zeit, die Handyapp des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg zu installieren, zu analysieren und gleich mal ein Onlineticket zu kaufen. Praktisch und für gut befunden.

Details zur Strecke:

Start: Petzow Schlosspark / Anfahrt mit Bus Nr. 607 von Potsdam

Ziel: Bahnhof Groß Kreutz / Rückfahrt mit dem Regionalzug nach Potsdam

Streckenlänge: 18,75 Kilometer

Dauer mit Einkehr und Flugversuch: 5:51:08

Folgende Karte würde ich dir aufgrund von mäßiger Beschilderung auf der Tour, dringend empfehlen. Sie ist reißfest, wasserfest und damit quasi fast unkaputtbar. Der Panoramaweg ist rot eingezeichnet und der Maßstab ist 1: 50 000. Damit findet dann wohl jeder den Weg 🙂

Havelland: Wanderkarte mit Kurzführer und Radwegen. GPS-genau. 1:50000 (KOMPASS-Wanderkarten, Band 745) (* Werbung)

 

One thought on “Auf der Suche nach Kirschblüten – Wanderung auf dem Panoramaweg Werderobst bei Potsdam

  1. Freue mich, tripp-tipp abonniert zu haben. So bekommt man automatisch eine E-Mail, wenn neue Reise/ Wanderberichte erscheinen.
    Habe vorher nie von Krielow und Derwitz gehört…
    Schöner Bericht, kurzweilig und gut lesbar.

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