7 Tage Zillertal Sommer 2014

Brandberg / Zillertal

Brandberg / Zillertal

Eine kurze Auszeit winkt und auf geht es von Berlin ganz in den Süden von Deutschland über den Achenpass hinein ins Zillertal. Unsere erste Unterkunft befindet sich in Brandberg im Zillergrund. Von Mayrhofen aus geht es ganz spannend durch den etwas mehr als 2km langen Brandbergtunnel und hinauf auf etwa 1080 Meter Höhe in dieses wunderschöne Seitental. Wer die absolute Ruhe sucht ist hier genau richtig. Wie sagt man so schön? 3 Häuser, 5 Hunde und 7 Spitzbuben? Das trifft so ungefähr auf dieses idyllische Bergdorf zu. Die Kirchturmglocke – unser Wecker, Autoverkehr? Sehr wenig, nachts gar nicht.

Reisezeit: August 2014

Reiseprofil: Wanderurlaub / Hotel

Vorbereitung: Internet und Broschüren vor Ort / Wanderbeschilderung sehr zuverlässig

1. Tag

Wir haben Glück. Während hier wirklich seit Wochen eine Schlechtwetterperiode herrscht, lacht heute die Sonne und so machen wir uns auf zum Kolmhaus. Der Bergmähderweg startet direkt an unserer Unterkunft. Nach einer kurzen Rast steigen wir spontan noch weiter zum Brandberger Kolm. 1000 Höhenmeter am ersten Tag – das ist stattlich und viel mehr, als wir uns eigentlich vorgenommen haben. Auf dem Rückweg beobachten wir das traditionelle Heumachen. Sämtliche Familien stehen am steilen Hang und haken stundenlang das geschnittene Gras. Unglaublich und einmal mehr sehen wir, wie hart das eigentliche Leben in den Bergen ist. Für uns als Touristen jedoch war es ein schöner Tag und das Wetter der nächsten Tage wird zeigen, dass das Weiterwandern in Panoramareiche Gegend genau richtig war.

Auf dem Bergmähderweg Nähe Brandberg / Zillertal

Auf dem Bergmähderweg Nähe Brandberg / Zillertal

2. Tag

Nach dem gestrigen Auf- und Abstieg gehen wir heute in die andere Richtung. Bergab. Ebenso wieder genau an der Unterkunft startet der Wanderweg nach Mayrhofen. Nach einem unerwartet steilen, dafür aber kurzem, serpentinenreichen Abstieg erreichen wir den Zillergrundwanderweg. Auf diesem lässt es sich sehr gemütlich laufen. Wir wandern durch saftiges Grün, vorbei an kleinen traditionellen Häusern sowie der Talstation der Ahornbahn. Dann heißt es shoppen in der Hauptstraße von Mayrhofen. Für den Rückweg entschließen wir uns für den öffentlichen Bus, dieser startet zum Beispiel am Hauptpostamt. Für 2,80 pro Person geht es zurück nach Brandberg. Die Fahrt dauert ca. 15 Minuten. Alle Achtung – in Berlin fahren wir dafür 2 Stunden S-Bahn.

Auf dem Weg von Brandberg nach Mayrhofen

Auf dem Weg von Brandberg nach Mayrhofen

Tag 3

Wir wachen auf und das Dorf ist komplett in Wolken gehüllt. Dennoch wollen wir es wagen und fahren zur Bärenbadalm im Zillergründl um zunächst zur Staumauer des Zillergrundstausees aufzusteigen. Der Weg ist mit 2 Stunden ausgeschrieben, wir sind in 1,5 Stunden oben.

Die Sicht ist nach wie vor, naja – milchig würde ich sagen. Es ist tatsächlich vom Stausee gar nichts zu sehen und so steigen wir einfach weiter zur Plauener Hütte. Ein anspruchsvoller, steiler Aufstieg, doch das leckere Essen und die wirklich freundliche Bedienung entschädigt deutlich für den vernieselten Aufgang. Ein leckerer Kaiserschmarren und eine zünftige Suppe, 2 Getränke für ca. 22 Euro.

Doch die eigentliche Belohnung kommt, als wir die urige Hütte wieder verlassen. Für einen kurzen Moment schieben sich die Wolken zur Seite und wir staunen über den Gletscher, welcher unmittelbar vor uns liegt. Wahnsinn. Aus dem Tal steigen Wolken auf und verleihen der Situation leichte Mystik. Dennoch, das Wetter ist alles andere als traumhaft und so entschließen wir uns fast wortlos aus diesem Tag einen sportlichen werden zu lassen und steigen den kompletten Weg bis zur Bärenbadalm wieder ab. Das reicht dann aber auch für uns Flachlandtiroler. Im Tal angekommen verstärkt sich der Regen und später, als ich meinen Saunafreiluftgang machen strömt das Wasser nur so von oben herab.

Greizer Hütte im Nebel

Greizer Hütte im Nebel

 

4. Tag

Wir ziehen um. Mitten ins Geschehen, mitten hinein nach Mayrhofen. Von unserem neuen Hotelzimmer können wir die Penkenbahn sehen, nicht selten sind wir sie mit und auch ohne Ski schon gefahren. Wir treffen auf unsere Eltern. Eingefleischte Zillertalkenner und so führt uns ihre Empfehlung heute ins Floitental.

Traumhaft. Was für ein Tipp. Wir parken an der Tristenbachalm und ersparen uns so den ersten Teil des Aufstiegs ins Tal, welcher komplett asphaltiert und auch von Touristen befahren ist. Ab der Tristenbachalm führt ein unbefahrender Schotterweg entlang der Floite, links und rechts begrenzt durch steil aufragende Felsen. Von Atemberaubend bis irre, alles ist dabei.

Der Blick ins Grün entschädigt auf alle Fälle für den steten Aufstieg. Doch auch hier sehen wir, wie die Regenfälle der letzten Woche an der Natur nagen. Das Flussbett unterspült den Weg und so wird mit Hilfe eines Baggers in Windeseile der Flusslauf leicht verändert. Zur Stärkung kehren wir auf die mitten im Tal liegende Steinbockalm ein, bei schönem Wetter hat man vom Freisitz aus Blick auf das Floitenkees. Ein Gletscher am Ende des Tales. Am späten Nachmittag lockern wir unsere Muskeln im hoteleigenen beheizten Pool mit Blick auf die Berge. Ein klein wenig Luxus darf ab und an auch mal sein. Die Sauna bringt letztendlich die angenehme Bettschwere.

Steinbockalm

Steinbockalm

 

Tag 5

Heute ist ein großer Tag. Schon 8.39 geht unsere Fahrt am Bahnhof los. Doch nicht nur irgendeine Fahrt. Vati darf als Hobbylokführer die kleine Dampflok durch das Zillertal steuern. Kohlen rein, gehupt und los. Viele Touristen bleiben stehen, winken oder fotografieren die Lok.

Eine tolle Perspektive bleibt spannend, wie lang diese Lok noch fährt, personelle Veränderungen stehen zu Anfang 2015 an und noch ist nicht klar, ob die kleine so beliebte Zillertalbahn weiterführen darf. Ich hoffe doch sehr, denn nicht nur der Lokführer, auch wir Mitfahrer in den Waggons und die Angestellten der Bahn waren alle mit Herzblut dabei, haben die Nase mal in den frischen Wind und dann wieder in den unwahrscheinlichen Dampf der Lok gehalten. Daumen hoch. Hat viel Spaß gemacht.

Ungefähr 2,5 Stunden dauerte das Spektakel und so blieb uns noch genut Zeit, eine kleine Ausflugsfahrt auf den Penken zu machen. Wir erkunden ein wenig den Panoramarundweg sowie die neu erbaute Kapelle. Doch den krönenden Abschluß bietet der Blick von oben auf einen Regenbogen. Ich konnte es gar nicht glauben. Wir stehen auf dem Berg und schauen von oben auf den farbenfrohen Bogen. Das war ein ganz besonderer und vor allem ein sehr seltener Moment!

Fahrt mit der alten Zillertalbahn

Fahrt mit der alten Zillertalbahn

 

Tag 6

Es regnet. Den ganzen Tag – doch das wussten wir morgens noch nicht. Gott sei Dank. Denn hochmotiviert starten wir erneut ins Floitental. Am Ende des Tales steht die Greizer Hütte. Der Weg ab Tristenbachalm ist mit 3,5 Stunden ausgeschrieben. Wir schaffen es in 2h 45 Minuten und sind von oben bis unten nass, als wir im Nebel die Hütte bei 5° erreichen. Trotzdem glücklich wärmen wir uns bei einer tollen Suppe, im Ofen knistert Holz und so nach und nach trudeln viele Hüttenwanderer ein. Alle bleiben oben – nur wir steigen den gleichen Weg wieder ab, denn unser Hotel steht im Tal 🙂

Auch für den Abstieg brauchen wir 2h 45min. Mittlerweile sind wir fast allein im Tal nur ein paar Wildhüter, 2 weitere Hüttenwanderer und ein Murmeltier lenken uns kurz von dieser zwar tropfnassen aber dennoch atemberaubenden Bergwelt ab. Ab in die Sauna und bei einem reichhaltigen Buffet am Abend gestärkt.

Das Abendessen ist etwas von Unruhe durchsetzt. Vor allem die Touristinnen des Hotels sind kurz aufgeregt. Hansi Hinterseer wohnt in unserem Hotel und hat doch tatsächlich kurz seinen blonden Schopf in den Speisesaal gesteckt. Kameras werden bemüht, Stühle quietschen, Schuhe klappern und viele rennen raus und ihm hinterher. Eine Aufregung.

Es regnet immer wieder und wir flanieren beim Abendspaziergang kurz beim 1. Zillertaler Volksmusikfestival vorbei. Und da klingt er an. Hansi Hinterseer. Auch Semino Rossi und andere Namen fallen, welche zwar nicht meine erste musikalische Wahl sind, jedoch das Festival ist absolut gut besucht und ich freue mich für den Erfolg der Veranstalter und für das tolle Erlebnis für alle die, welche nun mal eben Volksmusik mögen.

Abstieg von der Greizer Hütte

Abstieg von der Greizer Hütte

 

7. Tag

Und schon ist der Abreisetag gekommen. Doch wir nehmen uns noch etwas Zeit und fahren auf den Ahorn hoch. Auch hier flanieren wir kurz die Panoramarunde. Treffen eine Ziegenfamilie, welche neugierig an uns schnuppert, sehen die erste Gondel und informieren uns über die Geschichte der Ahornbahn.

Es gibt wenige sonnige Lichtblicke und so entschließen wir uns dann doch wieder ins Tal zu fahren. Bei herrlicher Aussicht auf die Orte Brandberg und Mayrhofen schwebt die Gondel in die Tiefe. Ganz am Ende, im älteren oder urpsrünglichen Teil vom Ort steht das älteste Holzhaus, welches nun ein Gasthaus ist. Gasthaus zum Kriena.

Hingehen. Mehr kann ich dazu kaum sagen – sehr leckere traditionelle Küche. Ich hatte zum Beispiel Schlutzkrapfen mit viel brauner Butter und gebratenen Zwiebeln. Ein toller Abschied im mir mittlerweile schon sehr vertraut gewordenen Zillertal. 7 Stunden später stehen wir wieder in Berlin. Ein kleiner Kulturschock.

Schlutzkrapfen

Schlutzkrapfen

 

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